Einmal Antarktis.........

 

........... schon seit Jahren war das mein sehnlichster Reisewunsch. Dieser mystische Kontinent, eisig, unnahbar und unerbittlich. Und dennoch voller Leben. In diesem Jahr will ich es tatsächlich machen. So entsteht die Idee, Patagonien, Feuerland und die Antarktis zu besuchen. Denn wenn ich schon einmal dort unten bin, dann bietet es sich an, auch zumindest einen kleinen Teil von Südamerika zu entdecken. Mit der Planung der Reise habe ich im September 2014 begonnen. Die Passagen zur Antarktis sind recht früh ausgebucht. Ich wollte ein Schiff, das unter hundert Passagiere hat und kein typischer Kreuzfahrer ist. Bei der Reise sollte das Naturerlebnis und der "Expeditionscharakter" im Vordergrund stehen, nicht der all inclusive Schiffsaufenthalt mit Käptn's Dinner und Modenschau. Fündig wurde ich bei Antarpply Expeditions mit der "M/V Ushuaia", einem ehemaligen Forschungsschiff der amerikanischen Marine. Maximal 88 Passagiere und die Antarctic Travel Company ist sehr bemüht um Umweltschutz und engagiert  im "sanften" Tourismus. Das Schiff hat eine hohe Eisklasse, ist sehr geeignet für diese harte Region, aber auch sehr "basic".


Um den Antarktis-Trip herum musste ich alle anderen Bausteine der Reise organisieren. Da die Antarktskreise vom 11. Februar bis 22. Februar vorgesehen war, also recht spät im südamerikanischen Sommer, war es sinnvoll, alles andere vorher zu machen. Begonnen habe ich dann mit einer Rundreise durch Südpatagonien mit einem Mietwagen. Im Anschluss daran habe ich eine fünftägige Schiffspassage von Punta Arenas nach Ushuaia gebucht. Diese Schiffspassage war einerseits praktisch, da ich den Mietwagen in Punta Arenas wieder abgeben musste, aber die Antarktisreise in Ushuaia startete. Zum anderen ging die Passage um Kap Hoorn, inklusive geplanter Anlandung auf eben diesem Sehnsuchtsort aller Seefahrer. Da zwischen der Ankunft in Ushuaia und der Abreise zur Antarktis noch ein paar Tage Zeit war, wollte ich mir nochmal die wilde argentinische Seite von Feuerland anschauen. 

Somit beginnt dieser Trip mit der etwas mühsamen Anreise von München über Santiago de Chile nach Punta Arenas. Von dort per Mietwagen zu den chilenischen und argentinischen Nationalparks an der Westküste Südamerikas, weiter zur Ostküste des Kontinents und durch das chilenische Feuerland zurück wieder nach Punta Arenas. Von dort geht es weiter mit der "Via Australis" nach Ushuaia. Es folgt ein Abstecher zum argentinischen Teil Feuerlands und letztlich von Ushuaia zur Antarktis über den Südpolarkreis hinaus und wieder zurück. Dann Buenos Aires - München und schon bin ich wieder zuhause.


Donnerstag, 15. Januar 2015/11:30

 

Jacobs-reist – super klasse, erstmal den Flug verpasst. Bis Santiago de Chile habe ich es immerhin geschafft. Fotos vom Flughafen sind nicht ausgesprochen interessant, wenngleich ich gut drei Stunden hier rumsitze und mir die Zeit mit Fotografieren verkürzen könnte. Anschlussflug nach Punta Arenas verpasst. Nicht weil ich getrödelt hätte, sondern hunderte Menschen vor mir im Flugzeug, hunderte Menschen erst vor der Immigration, hunderte Menschen vor dem Zoll, hunderte Menschen vor  der Handgepäckkontrolle. Ahnungsloses bis unwissendes Bodenpersonal haben mich von Pontius zu Pilatus geschickt. Trotz meines vielleicht lückenhaften aber immerhin bemühten Spanisch. Sei’s drum, zumindest mein Koffer wird wohl schon am Zielort sein.  Jetzt stand by für den nächsten Flug. Fängt super an. Das Abenteuer fing eigentlich schon damit an, dass ich LAN gebucht und Iberia bekommen habe. Ich war aber etwas versöhnt, weil die nette Dame am Check-in nicht nur mein Übergepäck ohne zu Zicken nach Punta Arenas duchgecheckt hat, sondern mich auch süffisant lächelnd fragte – nein, nicht ob ich ein upgrade haben möchte – ob es recht sei, wenn sie mir für alle drei Flüge - München -> Madrid -> Santiago de Chile -> Punta Arenas - einen Fensterplatz gibt. Nun ja, warum nicht, obwohl das hätte mich misstrauisch werden lassen müssen. Ich weiß jetzt, dass bei der Iberia der Airbus 320 in Eco 30 Sitzreihen hat und der Airbus 340 immerhin 49 Sitzreihen. Klartext: jeweils letzte Reihe, Rückenlehne gar nicht bzw. nur eingeschränkt verstellbar und direkt vor der Bordtoilette. Das Geräusch, wenn mit Unterdruck gespült wird ist ja ein ganz faszinierendes, aber nach 180 Mal in der Nacht beginnt es zu nerven. Nun soll es zumindest mit LAN weitergehen. Sofern sie mich mitnehmen. 

Die Anden

Ein blick in den gefühlt 400 Meter langen Flieger




Donnerstag, 15. Januar 2015/13:20

 

LAN hat mir den Weiterflug bestätigt. Es geht in einer knappen Stunde nach Punta Arenas via Porto Montt, den Flughafen wollte ich mir ja immer schon einmal ansehen. LAN, die Lufthansa Südamerikas, macht schon einen Unterschied zu Iberia. Zwei Dinge habe ich gelernt: meide Iberia auf Langstrecke. Dreizehneinhalb Stunden in einem Fluggerät mit dem Standard eines Schulbusses ist für nicht mehr ganz junge Herren grenzwertig. Aber immerhin, wir sind überhaupt und das pünktlich angekommen. Und zweitens möge der geneigte Reisende bedenken, dass eine Stunde zwanzig Minuten Aufenthalt zwischen zwei Flügen in Santiago de Chile zur Hauptreisezeit verdammt kurz sein können.

Die nächsten zwei Überraschungen folgten nach der Ankunft in Punta Arenas. Nein, Koffer nicht da. Oder vielleicht nicht mehr da? Überraschung Nummer eins. Überraschung Nummer zwei: am Gepäckband warten zwei Herren und eine Dame, die aussahen, als würden sie sich um verlorengegangenes Gepäck kümmern. So war es denn auch. Und auf deren Liste war mein Gepäckstück vermerkt, mit meinem Namen, der ursprünglichen Flugnummer und dem Hinweis, dass der Koffer mit dem nächsten Flieger kommen würde. Perfekte Organisation. Der kam dann auch, zwar erst um 00:40, aber er ist da. Und mit ihm meine Zahnbürste und allem was man braucht, wenn man mehr als 36 Stunden in den gleichen Klamotten verbringt. Meine armen Sitznachbarn.

Ich verstehe auch gar nicht, wie ich auf die Idee kommen konnte, in Chile geht alles mehr oder weniger chaotisch zu. Mein erster Eindruck nach ein paar Stunden in Punta Arenas: freundliche Menschen, hilfsbereit und gut drauf.  Autofahrer bremsen für Fußgänger, alles ist sehr aufgeräumt. Die Sonne scheint, es ist herrlich windig und die Magellanstraße „duftet“ nach Salz und ganz weiter Ferne.




Freitag, 17. Januar 2015/17:30

 

Heute um halb sieben war die Nacht zu Ende, jet lag zum einen und die aufgehende Morgensonne zum anderen, für die der Fenstervorhang überhaupt kein Hindernis war. Perfekt, dass es hier früh hell und erst spät dunkel wird, so gegen zehn, elf Uhr abends. Das bedeutet, ich kann die Fahrerei ruhig angehen lassen und brauche mich nicht zu hetzen. Die Tagesetappen sind zwischen 200 und 400 km, überwiegend Schotterpisten. Und das gegebenenfalls bei Dunkelheit wäre nicht gerade mein Traum vom Autofahren.

Das Projekt heute war botas de gomma kaufen. Gummistiefel. Für die Schiffspassagen. Die Anlandungen sollen teilweise recht feucht sein. Bei dieser Gelegenheit habe ich festgestellt, dass es in Punta Arenas alles gibt, was der Mensch braucht. Bis auf Gummistiefel. Am Schluss habe ich einen Bauarbeiter gefragt, der ebensolche botas anhatte. Nicht, ob er mir sie gibt, sondern wo ich sie kaufen könnte. Damit habe ich gleichzeitig meine gute Tat für diesen Tag erledigt, denn er hat sich derart gefreut, mir zu erklären, wo ich einen entsprechenden Laden finden kann. Gut, ich habe auf dem Weg dorthin noch zwei Mal nachfragen müssen, weil die Richtung, in die er gezeigt hatte nicht mit der Lage des Ladens übereingestimmt hat. Aber am Ende gab es botas. Und fachkundige Beratung. Alles perfekt.

Am Nachmittag habe ich versucht, ein paar Fotos von der Stadt zu machen. Ist schwierig, weil immer etwas im Bild ist: rumhängende Leitungen, riesige Schilder, angeknickte Lichtmasten oder ein LKW. Ich werde gleich mal sehen, wie die Ausbeute ist.

Morgen um zehn Uhr kann ich meinen Leihwagen abholen. Dann geht es los. Patagonia Camp im Nationalpark Torres del Paine ist das Ziel.