Motorradtour Nordkap 2011

 

 

Es gibt ein paar Wunschziele, die jeder Biker gerne mal anfahren möchte. Das Nordkap gehört sicherlich dazu. Finnland, Norwegen, Schweden, je nachdem, wie man die Anreise plant, sind perfekte Motorrad-Reiseländer. Ganz überwiegend hat man dort sehr gute Straßen, auch gemäßigte off-road Strecken sind möglich. Eine nahezu lückenlose Infrastruktur mit Hotels, Restaurants und Tankstellen macht das Reisen komfortabel, ohne allzu großen Planungsaufwand zu erfordern. Dazu erfreut eine grandiose, abwechslungsreiche Landschaft die Sinne. Diese Seite der Medaille sollte wirklich Biker's Traum sein. Und so kamen mein Freund Rolland aus Hamburg und ich Ende 2010 auf die Idee, diese Tour für den nächsten Sommer in Angriff zu nehmen. Wir stellten uns ein Roadbook mit den geplanten einzelnen Tagesetappen und den wichtigen POIs zusammen. Man kann in diesen Ländern sicherlich aufs Geratewohl losfahren. Aber die Distanzen sind schon recht groß und eine Grobplanung auf der Basis vielerlei Informationen aus Reisebeschreibungen, Reiseführern und Tourberichten ist schon hilfreich, um sich nicht zu verzetteln. Darüber hinaus hatten wir von verschiedenen Seiten gehört, in der Hochsaison sei es mehr als ratsam, Hotels zu reservieren. Das hat sich allerdings im Nachhinein als nicht nötig erwiesen. 

Und so kam eine Route heraus, die uns vom 15. Juli bis zum 5. August 2011 gut 7.000 km durch Finnland, Norwegen und Schweden geführt hat. Start- und Zielpunkt war Stockholm. Wir haben es uns etwas leichter gemacht, weil wir mit den Motorrädern auf dem Hänger angereist sind. Ich von München nach Hamburg und wir beide dann weiter nach Stockholm. Eine Anreise mit dem Motorrad hätten für mich von München aus nach Stockholm und zurück zusätzliche 4.000 km bedeutet. Die Zubringerstrecken nach Stockholm sind jetzt nicht so spannend, dass man unbedingt mit dem Motorrad fahren müsste. Da ist es im Auto schon etwas komfortabler. Da Rolland in Stockholm einen Kollegen hatte, bei dem wir das Auto samt Hänger zwischenparken konnten, hat sich diese Lösung angeboten. 

Die andere Seite der Medaille, mit dem Motorrad diese Länder zu bereisen ist zweifelsohne der Wetterfaktor. Es kann im Sommer schön sein, muss es aber nicht. Wir hatten von minus 2 Grad bis plus 35 Grad alles dabei. Herrliche Sonnenscheintage mit kristallklarer Luft bis schier undurchdring-lichem Nebel. Und immer wieder Regen, und wenn ich Regen sage, dann meine ich auch Regen. Gottlob nie tagelang, sondern immer nur stundenweise. Das Wetter ist schon sehr wechselhaft hoch im Norden. Aber insgesamt konnten wir zufrieden sein. Einen Vorteil hatte die feuchte Witterung aber sicherlich: von der vorausgesagten Mückenplage sind wir verschont geblieben.

 

Von Stockholm sind wir mit der Nachtfähre nach Turku in Finnland übergesetzt. Vorbei an kleinen Inselchen mit verwunschenen Anwesen. Die Überfahrt war sehr kurzweilig. Gutes Essen in den verschiedensten Bordrestaurants, musikalische Unterhaltung auf allen Decks und eine Unmenge mehr oder weniger beschwipster Dänen, Schweden und Finnen.

Am frühen Morgen sind wir dann in Turku angekommen, empfangen von feinem Nieselregen. Keine schöne Einstimmung auf die nächsten drei Wochen on the road. 

 

Unser erster Stopp in Finnland nachdem wir das nicht gerade einladende Turku verlassen hatten. Allerdings passte die Auswahl im Schaufenster nicht zur derzeitigen Wetterlage.

Wir haben es dennoch gelassen genommen, das Wetter.

 

Finnland ist landschaftlich sehr schön. Wälder, Seen, Bäche, bunte Wiesen. Es wird nur zeitweilig etwas eintönig, wenn man rechts und links nur Wald sieht und das Navi sagt: links abbiegen in 122 km. Und bis dahin geht es nur geradeaus. 

 

Unsere ständigen Begleiter auf den Straßen waren Rentiere. Keine Ahnung, warum sie immer mitten auf der Straße stehen. Ziemlich sture Tiere, die im Zweifel halt nicht zur Seite gehen. Und wenn sie flüchten, dann im Zickzack-Lauf mitten auf der Straße, statt auf kürzestem Weg in den Wald zu rennen. Das macht die Sache für uns gefährlich, weil man nie weiß, in welche Richtung sie im nächsten Moment wohl trampeln werden. Deshalb immer abbremsen und im Schritttempo passieren und hoffen, dass hinter der nächsten uneinsehbaren Kurve nicht ein paar Exemplare ihren Nachmittagsspaziergang auf der Straße machen.