Die Pyrenäen sind ein tolles Motorradrevier. Überwiegend anspruchslos, sofern man die größeren Straßen nutzt. Interessanter sind natürlich die kleineren Nebenstraßen. Die erfordern schon einige Konzentration. Sie sind sehr kurvig und größtenteils unübersichtlich, hin und wieder liegen Split, Kiesel oder vom Starkregen fortgespülte Erde auf den Wegen. Da die kleinen Straßen sehr wenig befahren sind, vermuten die wenigen Verkehrsteilnehmer allerdings auch, allein unterwegs zu sein. Das Kurvenschneiden ist insbesondere in Frankreich sehr beliebt und hat mich einige Male in die Eisen gezwungen. Aber wie gesagt, es ist ja nicht viel los auf den kleineren Straßen.

Schlaglochpisten habe ich kaum erlebt, wenngleich die spanischen Straßen grundsätzlich in einem besseren Zustand waren als die französischen. Der Straßenbelag ist durchweg sehr griffig. 

Die Offroad-Pisten, die ich gefahren bin, waren auch für große Reiseenduros problemlos zu meistern. Überwiegend harter Schotter, nur teilweise steinig oder ausgefahren. Im trockenen Zustand perfekt. Es hätte auch anspruchsvollere Trails gegeben, die habe ich aber gemieden, da ich allein gereist bin und wenig motiviert war, den GS-Trump abzurödeln, damit ich ihn überhaupt wieder auf die Räder bekomme, wenn er mal liegen sollte.

Hinsichtlich der Benzinversorgung gibt es bei etwas Planung eigentlich keine Engpässe. Aber gut, die GS läuft halt 300 bis 400 km. 

 

 

Die längste zusammenhängende Gerade in den ganzen Pyrenäen war der Tunnel D'Aragnouet-Bielsa.

Ganze 3 km schnurgeradeaus.


 

Luftlinie Ost nach West sind, wie schon erwähnt, etwa 450 km. Dazwischen könnte man aber tausende von Kilometern hin- und herfahren. Ich habe die Tour zuhause nur sehr grob vorgeplant und mir nur einige Pflichtstrecken herausgesucht. Die Pyrenäen gliedern sich in drei größere Bereiche:

- Östliche Pyrenäen mit Andorra

- Hochpyrenäen

- Atlantische Pyrenäen

Ansonsten habe ich die jeweiligen genauen Tagesstrecken  für den Folgetag abends geplant und die Strecken in das Navi geladen.

Für die Vorbereitung zuhause habe ich mir

- eine Reihe von Reiseberichten in den Motorradmagazinen angesehen. Insbesondere das Magazin "Der Alpentourer" hatte ein umfassendes Pyrenäen-Special

- zwei Motorradreiseführer besorgt. "Die schönsten Motorradtouren Pyrenäen" von Markus Golletz (Bruckmann  Verlag) und "Pyrenäen" von Dirk Schäfer (Highlight Verlag)

An Kartenmaterial habe ich die Michelin-Karten Spanien 144, 145 und 146 benutzt sowie eine Übersichtskarte von freytag & berndt "Pyrenean Region".

Das Kartenmaterial von Garmin für mein Nüvi 660  war - bei allen bekannten Garminschwächen - ausreichend. Beim Routing hat mich das Nüvi allerdings das ein oder andere Mal auf kaum passierbare Offroad-Strecken geschickt, die ich dann umfahren musste. Das war aber auch auf den Straßenkarten nicht ohne weiteres zu erkennen.

Ansonsten ist die Ausschilderung auch auf Nebenstrecken in beiden Ländern ganz passabel.

 

Die Wetterbedingungen waren leider nicht so ideal, wie ich es eigentlich erwartet hatte.Es hat mindestens die Hälfte der Reisetage geregnet. Das ist allerdings eher untypisch für die Region. Dabei ist die französische Seite der Pyrenäen regenanfälliger als die spanische Seite. In Erwartung hochsommerlicher Temperaturen hatte ich das Goretex-Inlay aus meinem Anzug entfernt und lieber für den Fall der Fälle eine Regencombi mitgenommen. Das war sicherlich richtig, da eine Combi schneller überzuziehen ist, als ein Goretex-Inlay wieder einzuknöpfen. Man muss es nur machen, und zwar rechtzeitig. Aber der Sommer 2014 war vielleicht nicht repräsentativ, zumindest sprechen die Statistiken eine andere Sprache. Ansonsten haben die Tagestemperaturen mich nicht verwöhnt, aber es war immer ausreichend warm. Nur ganz selten in der Früh habe ich mal einen Pullover überziehen müssen. Richtig kalt war es nur bei dem Trip durch Andorra. Sehr hoch und es lag noch Schnee neben den Straßen. Im übrigen ist die Strecke dorthin sehr schön zu fahren, Andorra selbst eher uninteressant. Ein duty-free Laden und Outlet neben dem anderen. Und extrem viel Verkehr. Allerdings ist der Sprit billig.

Hotelunterkünfte zu bekommen war kein Problem. Es gab immer nahegelegene Alternativen, wenn ein Hotel tatsächlich mal ausgebucht war. Preise lagen zwischen 40 € und 90 € pro Nacht. In Frankreich eher teurer als in Spanien. Gleiches gilt fürs Essen und Trinken. Wobei ich qualitativ besser in Spanien gegessen habe als in Frankreich. Aber das ist nur mein persönlicher Eindruck.

Einen inneren Konflikt hat es immer mit dem Fotografieren gegeben. Der Trip war ja auch nicht als Fotoreise geplant. Ich hatte nur meine kleine Sony RX 100 dabei und mein iPhone. Die meisten Fotos habe ich auch mit dem iPhone gemacht. War einfach schneller zur Hand und bequemer. Ich bin häufig an schönen Motiven vorbei gefahren. Aber wenn man so rollt, dann rollt man und für ein Foto anhalten ist dann nicht drin. Meine Erfahrung daraus ist, man muss sich entscheiden, entweder fotografieren oder Motorrad fahren. Klar kann man das kombinieren, setzt aber erhebliche Disziplin voraus.

Es war trotz der Wetterwidrigkeiten eine tolle Tour, super Straßen, beeindruckende Naturkulisse, nette Menschen. Es hat alles gepasst. 

Wärmstens empfehlenswert!