Bangkok - sehen und sterben. Wäre kein Problem, denn der Linksverkehr ist gewöhnungsbedürftig. Allerdings ist das Risiko begrenzt, es herrscht meistens Stau. Dennoch ist das Vorankommen in Bangkok sehr komfortabel. Skytrain und Expressboote bringen Dich überall hin. Komfortabel und unkompliziert. In München steht man gewiss ratloser vor den Fahrkartenautomaten als in Bangkok. Der Preis für diese Mobilität sind allerdings die monumentalsten und hässlichsten Hochbahntrassen, die ich jemals gesehen habe.

Die Möglichkeiten, sich die Zeit in Bangkok zu vertreiben, sind ebenso vielfältig, wie die Stadt unüberschaubar groß ist. Mich hat besonders interessiert, ein Gefühl für die "Gewaltfreiheit" der Protestbewegung zu bekommen, die zu der Zeit unseres Besuches noch vom People's Democratic Reform Committee unterstützt und angetrieben wurde. Gewaltfrei ist natürlich relativ. Letztendlich waren 28 Tote und über 800 Verletzte zu beklagen. Dennoch, vor dem Hintergrund der Bedeutung und der Brisanz der gegensätzlichen Positionen im Land hätte diese politische Demonstration noch dramatischer enden können. Als Farang und externer Betrachter dieser Aktivitäten tritt diese fürchterliche Bilanz allerdings in den Hintergrund. Das Lager der Protestierenden und die Versammlungsplätze glichen eher einem riesigen Markt, auf dem alles Erdenkliche angeboten wurde. Nur Großküchen, Rote-Kreuz-Zelte, medizinische Behandlungsräume und allgegenwärtige Transparente mit politischen Aussagen erinnerten an die Ernsthaftigkeit der Situation. Die Atmosphäre war nicht aggressiv, vielmehr lag über dem ganzen Geschehen eine Art buddhistischer Gelassenheit. Aussitzen könnte man das bei oberflächlicher Betrachtung bezeichnen. Kein Pulverfass, dennoch geht es den Menschen um wichtige Dinge, es ist mitnichten ein Straßenfest. Ich fürchte, in Südamerika oder China sähe es deutlich anders aus.   

Was macht man in Bangkok sonst noch? Shoppen gehen! Es bieten sich ein paar Shopping-Center an, die von Kitsch über Markenimitate bis hin zum hochwertigsten und edelsten Luxus keine Wünsche unerfüllt lassen. Touristische Bummelmeilen oder der Basar in Chinatown sind ein inspirierendes Kontrastprogramm. Man kann sich schon mal einen Tag darin verlieren. Aber um ehrlich zu sein, deswegen bin ich nicht hier. 

Sehenswerter und interessanter erschienen mir Besuche in Bangkoks Tempeln. Etwa 400 gibt es in Bangkok, keine Chance, sich da durchzuwühlen. Es lassen sich nur ein paar wenige herausfiltern, z. B. Wat Phra Kaoe und der Royal Grand Palace mit dem Smaragd-Buddha, Wat Arun oder Wat Po mit dem größten liegenden Buddha des Landes. Hunderte von Reiseführern und tausende von Internetseiten beschreiben das alles perfekter als ich es kann und will. 

Der Royal Grand Palace

Die nächste Aktivität, der man in Thailand im Allgemeinen und Bangkok im Besonderen frönen kann, ist essen. Ich habe mir sagen lassen, die Thailänder essen gern, sie essen gern scharf und sie essen gern außer Haus. Zu Hause wird selten gekocht. Insbesondere mittags nicht. Deshalb ist das Angebot an Garküchen auch extrem hoch. Die Zubereitung von Speisen ist den Thailändern heilig, deshalb wird auch offen, für die Kunden sichtbar gekocht. Zugegeben, das sieht nicht immer ausgesprochen appetitlich aus und gekocht und serviert wird teilweise an Orten, die den Mitarbeitern deutscher Ordnungsämter das Fürchten lehren würden, aber: geschmeckt hat es immer, das Essen war immer frisch, es hat niemals auch nur das geringste Problem hinsichtlich der Bekömmlichkeit gegeben. Es war so eindrucksvoll - dennoch kein Foto: eine wirklich ältere Dame auf dem Moped mit Seitenwagen, darin ein riesiger Topf mit mit dampfender Suppe. Tom kha. Umgerechnet 30 Cent die Portion. Zum Niederknien. Und die Süßspeisen erst. Khanom Krok. Zu jeder Tages- und Nachtzeit eine Sünde wert. 

Gut, ein Fehltritt war der tägliche Cappuccino bei Starbucks. Bedauere ich sehr, aber Kaffee und Thailand, das passte meiner Meinung nach nicht so recht. 

Wenn man an Alternativen zu den Garküchen denkt, dann sollte man auch mal ein Dinner in einer Roof-Top-Bar in Erwägung ziehen. Ja, ist grenzwertig dekadent, aber machen wir ja auch nicht täglich. Die beiden letzten Nächte vor dem Rückflug nach Deutschland haben wir uns im Banyan Tree Hotel mit seiner legendären Moon Bar einlogiert. Der Service dort oben, das Essen, der Ausblick, die Atmosphäre, die warm-kühle Luft, einfach sensationell. Ich habe jede Minute genossen.