Samstag, 11. Juni 2016   -   Ugljan  -->  Otok Zut

 

Nach ausgiebiger Nutzung des "Wellness-Bereiches" im Clubgebäude verlassen wir die Marina, es ist bereits wieder nach elf Uhr. Es wurde recht spät gestern Abend, Fußball EM auf der Großleinwand in der Lobby und anschließend noch ein paar Biere an der feudalen Bar. Nur Oligarchen um uns herum.

Wir haben einen Törn vor uns von ca. 25 sm nach Otok Zut. Kurs südlich zwischen Ugljan und dem Festland, dann west und nordwest zur ACI-Marina Zut. Das war eine Empfehlung der Dame an der Marina-Rezeption: kleine Insel mit guten Restaurants. Heute war ich derjenige, der sich nicht um den ganzen Rest kümmern musste, sondern durfte bequem hinter dem Steuerrad abhängen. In Erwartung der gleichen Windverhältnisse wie gestern, freute ich mich schon darauf, Rolf mit der extrem freundlich vorgetragenen Frage "klar zur Wende?" ebenfalls zumindest ein wenig terrorisieren zu können. Leider keine Chance, der Wind hatte es sich anders überlegt und kam nun achterlich. Keine Wende auf der gesamten Strecke notwendig, nicht einmal eine Halse. Und sogar als wir den Kurs ändern mußten um nordwestlich auf Zut zuzuhalten, änderte sich rechtzeitig die Windrichtung. Jetzt halber Wind. Nun gut, ich würde meine Chance bekommen. 

Bei leichtem achterlichen Wind und teilweise unter Maschine hatte ich zumindest den Vorteil, den "eisernen Steuermann" für mich arbeiten zu lassen. Trotzdem, aufkreuzen hätte mir gerade heute mehr Spaß gemacht.

 

Die Marina ist eigentlich recht unspektakulär, am Steg ist aber Wasser und Strom vorhanden. Der Liegeplatz ist übrigens kostenlos, wenn man im gegenüber liegenden Restaurant ißt. Hört sich verlockend an, aber bei den gut 250 €, die wir zu zweit dort gelassen haben, sollte das wohl drin sein.

In der Hochsaison ist hier offensichtlich der Teufel los. Darauf deuten die Partyzonen am Wasser und die Spielgeräte im Wasser hin.

Die Restaurantempfehlung war in der Tat ein Volltreffer. Perfekter Service, eine prall gefüllte Theke mit fangfrischem Fisch, tolle Weinkarte, es hat alles gestimmt. Den Vorspeisenteller hätten wir gleich nochmal bestellen können. Solch ein Restaurant hätte ich vielleicht in Dubrovnik oder Zadar vermutet, sicherlich aber nicht auf diesem Inselchen. Gutes Geschäftsmodell.

 

Sonntag, 12. Juni 2016   Otok Zut  -->  Molat

Heute Morgen wollten wir eigentlich früher los als sonst. Als Zielhafen hatten wir uns die Insel Molat mit dem Bojenfeld vor Brgulje ausgesucht. Etwa 30 sm. Aber andererseits, warum sollten wir uns hetzen, also lassen wir uns Zeit. Der Wind war recht gut, drei bis vier Windstärken, wir würden den Kurs anliegen können ohne viel kreuzen zu müssen. Allerdings lag der Kurs östlich von Otok Iz und Otok Sestrunj, also im Windschatten der Inseln. Es begann mit entspanntem Segeln, doch je näher wir dem nördlichen Ende von Dugi Otok kamen, je dunkler wurde der Himmel über der freien See im Westen der Insel.

Wir befanden uns noch im Windschatten von Veli Tun, einer kleineren Insel westlich von Sestrunj gelegen, vielleicht eine gute Stunde, vielleicht eineinhalb Stunden von der Einfahrt zur windgeschützten Bucht von Brgulje entfernt, als wir uns entschließen, zumindest das Großsegel zu bergen und die Maschine mitlaufen zu lassen. Zum einen dümpeln wir hier fast auf der Stelle, zum anderen ist jetzt ganz klar, dass wir in ein Unwetter laufen. Die bedrohliche Front zieht jetzt immer schneller in unsere Fahrtrichtung. Aber wir hoffen, noch rechtzeitig die Bucht von Molat zu erreichen.

Der Himmel sieht zwar übel aus, es ist kurz vor 18 Uhr und fast dunkel, aber noch ist die See ziemlich ruhig und der Wind fast eingeschlafen. Die sogenannte Ruhe vor dem Sturm

Wie auf Knopfdruck setzt von einer Sekunde zur anderen ein ausgewachsener Sturm ein. Die See wird rauh, der Wind hat von der offenen See her freie Bahn. Wir sind froh, die Segel unten zu haben und können beobachten, wie zwei andere Segler zu kämpfen haben, die nicht einmal gerefft hatten. Es wird jetzt auch für uns ungemütlich, ich kann das Schiff gegen den Wind nicht mehr halten, zu chaotisch fallen die Sturmböen über uns her. Die "Perseide" ist für so eine Situation deutlich untermotorisiert. Ich muss abdrehen und wir laufen mit achterlichem Wind und Wellen ab. Gott sei Dank haben wir freien Seeraum vor uns. 

 

Als Rolf bei dem chaotischen Getanze des Schiffes endlich in seinem Ölzeug ist, bin ich klitschnass geregnet, bevor auch ich mich entsprechend anziehen kann. Es ist sogar deftiger Hagel dabei und ich ziehe mir den Buff über die Ohren, damit es nicht so weh tut. Sieht zwar bekloppt aus, wie so ein altes Waschweib, aber es hilft.

Wir machen uns Gedanken, wohin es jetzt gehen soll. Nahgelegene Ausweichhäfen - Fehlanzeige. Zumindest gibt mein - zugegeben schon etwas betagtes - Hafenhandbuch Kroatien nichts her. Tolle Seemannschaft, sich erst im Angesicht des Weltunterganges über Alternativen Gedanken zu machen. Also laufen wir erstmal ab.

Das Gute an diesen plötzlichen Unwettern ist, dass sie genauso schnell wieder vorüber sind. Nach etwa einer halben Stunde ist der Spuk vorbei. Es waren zwar sehr lange dreißig Minuten, aber jetzt tun Wind und See so, als wäre nie etwas gewesen. D.h. Molat zweiter Versuch.  

Wir drehen um und nehmen Kurs auf Brgulje. Mit dem letzten Licht schaffen wir es bis zum Bojenfeld, klaren das Schiff auf und genießen den windstillen Sonnenuntergang wiederum mit Spaghetti und Tomatensoße (aus der Konserve) und einem herrlichen südtiroler Lagrein.

 

 

Weiter mit:  Segeltörn Kroatien 2016/III