Montag, 2. Februar 2015

 

Heute Nachmittag um 16:00 Uhr ist das Boarden der "Via Australis" geplant, ein unter chilenischer Flagge fahrendes Passagierschiff. 73 Meter lang mit nur 3,30 Meter Tiefgang. Das ermöglicht das Befahren sehr flacher Kanäle und erlaubt das nahe Heranfahren an die Küstenlinie. Maximal 136 Passagiere und 45 Besatzungsmitglieder. Es ist ein sehr komfortables Schiff mit gemütlicher Barlounge und und bequemer Aussichtslounge. Kabine und Bad sind - zumindest verglichen mit der folgenden Fahrt auf der "M/V Ushuaia" - luxuriös. Hier ist alles "all inclusive", was mir gar nicht bewusst war. Aber umso besser. Man wurde den ganzen Tag und Abend über versorgt, mit Essen - sehr passabel, insbesondere die Dessertbuffets - und Getränken der Wahl. Die Bar öffnete morgens bereits zum "early bird" Frühstück um sieben Uhr, und so manche "Bloody Mary" oder so mancher Gin Tonic wurde schon vor neun Uhr über den Tresen geschoben. Von den Gläsern Sekt ganz zu schweigen. Gut, die Leute machen ja Urlaub.  



Mit dem Auslaufen des Schiffes, der Informationsveranstaltung zu den Sicherheitsanweisungen und dem folgenden Willkommensabend-

essen ging der Tag zu Ende. Die erste Kreuzfahrtnacht - Besatzung und Reederei sprechen von Expedition - also die erste Expeditionsnacht beginnt. Programm für diese Expeditionsnacht laut Informationsblatt: Lassen Sie sich zusammen mit Ihren Mitreisenden vom aufmerksamen Service unserer Bar verwöhnen. Na dann .......


 

Dienstag, 3. Februar 2015

 

Bei Sonnenaufgang erreichen wir den Almirantazgo-Fjord mit Ziel Ainsworth Bucht. Sonnenaufgang sechs Uhr sieben. Ich gebe zu, war mir zu früh, um diesen Moment im Foto festzuhalten. Also Frühstück um 08:20 Uhr, dann hat sich der erste Stau vor dem Frühstücksbuffet abgebaut und vorbereiten für den ersten Landgang in der Ainsworth Bucht.




Am Nachmittag erreichen wir Tucker-Island und die Insel Islote De la Fuente. Beide können wir nicht betreten, wir fahren lediglich mit den Zodiacs an den Strand bzw. an die Steilküste der Inseln heran. Für's Erste ganz nett, aber spannend ist es nicht direkt.





Am späten Nachmittag geht es dann zurück Richtung Magellanstraße. Der Seno Almirantazgo ist sozusagen Sackgasse. Windstille, sehr sanftes Licht, schöne Atmosphäre vor beeindruckender Kulisse. 




Mittwoch, 04. Februar 2015


Heute ist überwiegend Sightseeing auf dem Plan. Passage durch Ballenero und O'Brian-Kanäle. Früher Nachmittag Pia Fjord und Landgang beim Pia Gletscher. Anschließend Weiterfahrt durch die Gletscher-Allee mit den Gletschern Romanche, Alemania, Francia, Italia und Holanda.




 

Auch im hohen Alter ist die Freude groß beim Anblick dieser verschwenderischen Natur. Die Dame (links im Foto natürlich) war Ende achtzig und strahlte eine ungeheure Lebensfreude aus.

Und weiter geht es durch die Gletscher-Allee, wir nähern uns dem Höhepunkt dieser Reise. Nein, nicht dem Käptn's Dinner heute Abend, sondern Kap Hoorn, das wir morgen gegen späten Nachmittag erreichen wollen.





Donnerstag, 05. Februar 2015


Unser Tag beginnt heute sehr früh. Um 07:00 Uhr fällt der Anker in der Wulaia-Bucht. Wir gehen dort um 08:00 Uhr an Land und stoßen auf die Spuren des Aufeinandertreffens der Ureinwohner dieser Region, der Yagan-Indianer, mit den ersten europäischen Forschern. Die Geschichte dieses mythenreichen Ortes wurde in einem Informationszentrum detailreich aufgearbeitet. 

Bevor wir wieder an Bord der "Via Australis" gehen, gibt es am Strand eine Überraschung: heißen Kakao mit chilenischem Whisky. Einen winzigen Schluck wird man sich gönnen dürfen. Das ist natürlich ein Foto wert.







78 Seemeilen sind es bis zum Kap Hoorn und die Spannung steigt. Wird das Wetter halten? Noch sieht es ganz passabel aus, aber der Wind legt zu. Von den letzten fünf Reisen konnte immerhin zwei Mal angelandet werden, macht man uns Hoffnung. Bei zuviel Wind und Schwell ist das Anlanden mit den Zodiacs problematisch. Aber wir haben noch gut vier Stunden Zeit bis Kap Hoorn. Da kann sich noch einiges tun. Zum Guten wie zum nicht so Guten.





Und da liegt es vor uns: Kap Hoorn. Das Wetter ist nicht zu schlecht, zwar windig, aber kein allzu starker Schwell an der Landungsstelle. Die Expeditionsleitung wird einen Versuch starten. Die "Via Australis" tastet sich langsam näher, bleibt in sicherer Entfernung liegen und dann kommt der erlösende Funkspruch: es geht. Zodiacs ins Wasser. Fröhliche Gesichter.




Wir steigen die vielen Stufen zum Kap nach oben. Fühlt sich eigentlich ganz normal an, dieser südlichste Zipfel Südamerikas, dieser mystische Ort, Sehnsuchtsziel zigtausender Seeleute, verflucht und geliebt zugleich, auch heute noch. Wir haben Glück mit dem Wetter, das Kap zeigt sich von seiner zahmeren Seite. Wie es anderntags aussehen mag, davon zeugt das Wahrzeichen von Kap Hoorn: das Albatros-Denkmal. Bei einem Sturm im letzten November ist es zur Hälfte abgebrochen. Es ist aus Stahl, aber Sturm um die 200 km/h war wohl doch zu viel.  



Ansonsten ist Kap Hoorn ein ziemlich kahler Felsen. Ein kleiner Leuchtturm,

eine Kapelle, ein winziges Museum mit einer Theke, an der man seinen Pass abstempeln lassen kann. Ein Obelisk der Cap Horniers zum Gedenken an die etwa 10.000 Seeleute, die im Laufe der Jahrhunderte hier ihr Leben gelassen haben. Eine schöne Vorstellung, dass ihre Seelen in den majestätischen Albatrossen weiterleben sollen.





 

Wir machen uns auf den Rückweg zum Schiff und ich bemerke, wir sind deutlich ruhiger geworden. Sind doch etwas ergriffen von diesem Flecken Erde. Oder vom Mythos, der damit einhergeht.

110 Seemeilen sind es bis nach Ushuaia. Die "Via Australis" wird sich sehr langsam auf den Rückweg machen. Morgen früh soll sie in Ushuaia sein. Dann ist diese Expeditionskreuzfahrt zu Ende. Und wir lassen uns noch einmal vom aufmerksamen Service unserer Bar verwöhnen.