Reiseplanung:

Die Planung der Reise habe ich im August/September 2014 begonnen. Ursprünglich war nur eine Antarktisreise vorgesehen, d.h. Hinflug nach Ushuaia, ein paar Tage vor Ort, dann aufs Schiff, Rückflug nach Deutschland. Dann fiel mir wieder das Buch von Bruce Chatwin "In Patagonien" in die Hände. Ich hatte es vor vielen Jahren schon einmal gelesen und es hat mich wieder begeistert. Deshalb war schnell klar, einmal die weite Anreise gemacht, wollte ich auch Patagonien kennenlernen, vor allem aber das mystische Feuerland. Und wenn Patagonien, dann sollte auch Kap Hoorn dabei sein. Im Baukasten befanden sich somit:

- Patagonienrundreise

- Feuerlandrundreise

- Schiffsreise Kap Hoorn

- Schiffsreise Antarktis

Jetzt mussten nur noch die Bauklötze zeitlich in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Die beiden Schiffsreisen habe ich mit Hilfe des Internet herausgesucht. Das Angebot ist durchaus vielfältig, aber etwas unübersichtlich im Hinblick auf Reiseverläufe und Preisgestaltung. Die Kap Hoorn-Passage mit der "Via Australis" war insofern auch sehr praktisch, da ich für die Antarktispassage sowieso nach Ushuaia musste. Gebucht habe ich über Reallatino Tours, einem Reiseveranstalter mit Schwerpunkt für Reisen nach Lateinamerika in Leipzig. Kontakt über info@reallatino-tours.com oder www.reallatino-tours.com. Das Reisebüro war sehr hilfreich mit einer unkomplizierten und professionellen Abwicklung. Die Kommunikation war gut, Fragen wurden schnell und erschöpfend beantwortet, die Reisedokumentation und Informationen waren sehr umfassend. Ich kann das Reisebüro sehr empfehlen.

Für die Schiffspassagen waren die Termine fix, Patagonien und Feuerland habe ich drumherum planen müssen. Um nicht tagelang in Reiseführern forschen zu müssen, habe ich mir in verschiedenen Reisekatalogen angesehen, welche Reisen wie mit welchen Stationen für Selbstfahrer in Südpatagonien angeboten werden. Eine organisierte Busreise oder ähnliches kam für mich nicht infrage. Ich wollte frei in meiner Zeiteinteilung bleiben und selbst entscheiden, wo und wann ich einen Stopp mache. Ich habe dann eine Rundreise zusammengestellt mit dem Ziel, die Nationalparks an der Westküste mit dem Torres del Paine und Parque Nacional Los Glacieres zu besuchen, dazu gehören natürlich die Highlights Perito Moreno Glacier bei El Calafaté und der Mount Fitz Roy bei El Chalten. Dann wollte ich quer durch Argentinien an die Ostküste zum Nationalpark Monte León und dann weiter südwärts zum chilenischen Teil von Feuerland. Abgabe des Mietwagens wieder in Punta Arenas. Die geplanten Tagesetappen waren zwischen 200 km und 450 km. Also alles gut machbar, auch wenn viele Kilometer über Schotterpisten führten und somit die Reisegeschwindigkeit eingeschränkt war.

Da ich aus mehreren Quellen erfahren hatte, dass in der Sommersaison die Unterkünfte häufig ausgebucht sind und es außer an den touristischen hot spots auch nicht überall Unterkünfte gibt, habe ich Hotels vorgebucht. Das habe ich über booking.com gemacht. Für die meisten meiner Wunschziele bin ich auch fündig geworden. Die Buchung und Abwicklung war wie immer unkompliziert. Dort, wo ich nicht weiterkam, habe ich auf ein örtliches Reisebüro zurück gegriffen. Tatkräftig unterstützt hat mich das Summit Reisebüro des Deutschen Alpenvereins in München am Isartorplatz. Kontakt über info@summit-reisebuero.de oder www.summit-reisebuero.de. Die berechtigten Hinweise zu ausgebuchten Hotels kann ich bestätigen. Ich habe zwei Mal versucht, die Hotelbuchungen um einen Tag zu verschieben und beide Male war dies nicht möglich, da keine freien Zimmer verfügbar waren.

Für den argentinischen Teil von Feuerland gestaltete sich die Planung recht einfach, da ich zwischen den beiden Schiffspassagen nur vier Reisetage Zeit hatte und somit nur ein Hotel finden musste. Auch das wurde über booking.com erledigt. 

Zugunsten der ersten drei Module habe ich auf eine Antarktispassage verzichtet, die auch die Falkland Inseln, Südgeorgien und die Südorkney Inseln einschließt. Das wäre zeitlich dann doch etwas aus dem Ruder gelaufen. Würde ich das nochmal so machen? Sicherlich nicht, denn die Falklands und Südgeorgien bieten offensichtlich so interessante Natur- und Tiererlebnisse, dass man diese Stationen in Zusammenhang mit einer Antarktisreise unbedingt mitnehmen sollte.  



Mietwagen:

Für die Patagonien-Rundreise hat für mich das Summit Reisebüro in München den Mietwagen gebucht, und zwar über DERTOUR, DER Touristik Frankfurt GmbH. Vertragspartner von DERTOUR war Hertz Rent A Car Chile. Dies war in mehrfacher Hinsicht eine gute Entscheidung. DERTOUR war der preiswerteste Anbieter für einen SUV, wie ich ihn benötigt habe. Verglichen hatte ich verschiedene Angebote über Check24 und ähnliche Portale. Es war nicht nur der Preis konkurrenzlos, sondern es waren auch alle Versicherungen eingeschlossen. Der Preisunterschied zum nächst günstigsten Anbieter bei vergleichbarem Fahrzeug und Versicherungspaket waren 600,- €. Auch mit der Firma Hertz war ich maximal zufrieden. Hertz bietet absolut gepflegte und neuwertige Fahrzeuge an. Mein Nissan X-Trail 4x4 hatte gerade mal 18.000 km auf dem Tacho. Der gesamte, für mich unüberschaubare Papierkram für den Grenzübertritt nach Argentinien und die damit verbundenen Versicherungspolicen waren perfekt vorbereitet und zusammengestellt. Die Rückgabe des Fahrzeuges war völlig entspannt, obwohl ich ein paar kleinere Lackschäden am Fahrzeug durch die Schotterpisten hatte. Die zurückgehaltene Kaution ist innerhalb von 24 Stunden freigegeben worden. Ich kann nur sagen, zumindest Hertz in Punta Arenas ist ein Top-Autovermieter.

Für die Feuerland-Rundreise habe ich einen Mietwagen bei einem lokalen Vermieter in Ushaia gebucht. Die Reservierung erfolge im voraus durch CHECK24, dem bekannten Vergleichsportal. Empfehlenswert, sehr informative und unkomplizierte web-site. Vermittelnde Agentur war Atlasoption, eine UK-Firma in London. Atlasoption war zwar nicht der preiswerteste Anbieter, hatte aber im Hinblick auf Versicherungen etc. das umfassendste Angebot. Die Vorabinformationen sowohl von CHECK24 als auch Atlasoption waren sehr detailliert. Alles perfekt. Lokaler Mietwagenpartner war Lokaliza Argentina in Ushuaia. Die Abwicklung dort war grundsätzlich o.k., aber sehr schleppend. Man muss Zeit mitbringen, weil offensichtlich, wie mir entschuldigend gesagt wurde, die Buchungssysteme nicht sehr leistungsfähig sind. Das Auto war, naja, vergurgt würde ich es nennen. Bleibt aber bei den Straßenverhältnissen nicht aus und für die geplante überschaubare Distanz auch vertretbar.

 

Das Fahren in Chile und Argentinien ist grundsätzlich unproblematisch. Die Straßen und Pisten waren bis auf wenige Ausnahmen sehr gut ausgeschildert. Navigationsgeräte sind außerhalb der größeren Städte und Hauptverkehrsstraßen wenig hilfreich, da das Kartenmaterial lückenhaft ist. Noch ein Pluspunkt für die Hertz-Mannschaft, die mir aus diesem Grund von einem Navigationsgerät abgeraten und mir somit 150,- US$ Leihgebühr erspart hat. Die Schotterpisten waren überwiegend ganz passabel, eine Reisegeschwindigkeit von 50/60/70 km/h durchaus möglich. Natürlich gab es auch ganz üble Abschnitte, die nicht mehr als 20/30 km/h erlaubt haben. Aber für die Zeitplanung darf man sicherlich von einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 50 km/h ausgehen, sofern es nicht gerade regnet.

Ein logistisches Problem war das Tanken. Über Land ist das Tankstellennetz sehr dünn, man muss ein wenig vorausschauend die Route planen.

Es bietet sich auch an, bei Überlandfahrten immer eine Notration Wasser und etwas zu essen dabei zu haben. Auf manchen Schotterstrecken sind mir stundenlang keine Fahrzeuge entgegengekommen. D.h. wenn man irgendwo da draußen in der Pampa ein Problem mit dem Auto hat, kann man sich gegebenenfalls auf eine Nacht im Fahrzeug einrichten. Die Menschen sind da sicherlich sehr hilfsbereit, aber wenn keiner kommt, ist man aufgeschmissen. Das Handy ist auch keine große Hilfe, da häufig gar kein Netz vorhanden ist.    

 

Unterkünfte:

Die gewählten Unterkünfte waren durchweg gut und mit wenigen Ausnahmen empfehlenswert. Das Preisniveau ist relativ hoch, wenn ein gewisser Standard erwartet wird. Im Durchschnitt lagen die Übernachtungskosten bei € 145,- pro Nacht, wobei zu berücksichtigen ist, dass ich immer ein Doppelzimmer zur Alleinnutzung hatte. Zu Zweit relativiert sich der Preis natürlich etwas. Das Frühstück war immer inbegriffen, aber bekanntermaßen ist es grundsätzlich recht überschaubar. Das Preisniveau für Essen und Getränke ist in Argentinien deutlich höher als in Chile, insbesondere ist Ushuaia im Vergleich zu Punta Arenas erheblich teurer.

 

Überblick Hotelbewertung:


Punta Arenas, Hotel Dreams del Estrecho: modernes Hotel mit allem Komfort, zentral gelegen an der Wasserfront. Sehr Empfehlenswert.


Punta Arenas, Hotel Rey Don Felipe: gut ausgestattete Zimmer und Bäder, sehr gute Küche. Liegt etwas ausserhalb des Zentrums. Empfehlenswert.


Nationalpark Torres des Paine, Patagonia Camp: Zimmer sind große, einzel stehende Jurten, mal was ganz Besonderes, sehr komfortabel und originell. Sehr empfehlenswert.


El Calafaté, Hosteria Los Canelos: nettes Hotel, etwas in die Jahre gekommen, gute Küche, keine zentrale Lage, 15 Minuten Fußweg zum Zentrum, preiswert. Empfehlenswert.


El Chalten, Estancia La Quinta: schönes Anwesen, recht komfortable Zimmer, gute Küche, liegt außerhalb des Ortes, PKW erforderlich. Empfehlenswert.


Monte León, Estancia Monte León: historisches Herrenhaus mit sehr viel Charme, gute Küche, teuer aber mein Favorit. Sehr empfehlenswert.


Rio Gallegos, Hotel Aire de Patagonia: ich beschränke mich mal auf nicht empfehlenswert. Ich habe das Hotel nach der ersten Nacht gewechselt.


Rio Gallegos, ich bin umgezogen ins Hotel Santa Cruz. Gleiche Preiskategorie wie das vorherige, aber dazwischen liegen Welten. Gut ausgestattetes Zimmer, sauberes Bad. Hotelrestaurant keine Offenbarung, aber Hotel durchaus empfehlenswert.


Lago Blanco Tierra des Fuego, Hosteria Las Lengas: nette Hosteria, große Zimmer, recht gute Küche, Alleinlage direkt am Lago. Empfehlenswert.


Ushuaia, Hotel Albatros: sehr modernes zentral gelegenes Hotel direkt gegenüber dem Hafen. Sehr gutes Restaurant. Oberes Preissegment, dennoch sehr empfehlenswert


Lago Fagnano/Tolhuin, Hosteria Kaiken: nette Hosteria in schöner Lage oberhalb Lago Fagnano, allerdings recht abseits, PKW erforderlich, sofern man andernorts essen möchte. Küche ist überschaubar. Empfehlenswert, da einzige ernst zu nehmende Unterkunft in der Gegend.


Ushuaia, Hotel Mustapic: ein erheblich in die Jahre gekommenes Hotel, Zimmer und Bad ohne jeglichen Komfort. Etwas abseits gelegen. Nicht empfehlenswert.


Buenos Aires, Hotel Plaza Central Canning: modernes, gut ausgestattetes Hotel innerhalb einer Shopping Mall. Nicht Buenos Aires City, sondern in Ezeiza, aber nah am internationalen Flughafen. Für einen stopp over sehr empfehlenswert.

 

Fotografieren:

Es war natürlich auch ein Ziel, die Reise fotografisch zu dokumentieren. Allerdings wollte ich andererseits die gesamte Reise nicht nur durch den Sucher der Kamera erleben. Das ist ein gewisser Konflikt und nicht immer leicht, diesen auszubalancieren. 

Ich habe etwa 5.000 Fotos gemacht auf der gesamten Reise, wovon keine 10% brauchbar sind. Davon vielleicht 100, die interessant sind und 20 oder 30 mit denen ich zufrieden bin. Da ist noch deutliches Potenzial nach oben. Bei der Auswahl meiner Fotoausrüstung habe ich einen entscheidenden Fehler gemacht: ich habe aus Gewichtsgründen auf mein Canon 70-200 f/2.8 verzichtet. Statt dessen hatte ich mir das neue Tamrons Reisezoom Di 28-300 f/3,5 - 6,5 zugelegt. Kein schlechtes Objektiv, sicherlich nicht. Sehr kompakt und unter einem Kilogramm schwer. Ich bin aber dennoch sehr schnell aufgrund der Lichtverhältnisse an Grenzen gestoßen. Irgendwie war ich davon ausgegangen, dass es am Licht sicherlich nicht scheitern wird, die Luft glasklar ist und der weiße Schnee vielleicht sogar zum Abblenden verleitet. Aber gerade auf der Antarktis war es oft bedeckt, diesig oder gar nebelig. Da alle Fotos aus der Hand geschossen werden mussten, war ich sehr häufig gezwungen, mit recht offener Blende zu fotografieren, wenn denn die ISO nicht dramatisch aufgedreht werden sollte. Da man grundsätzlich einen doch erheblichen Abstand zu den Tieren halten musste, haben sich sehr schnell Unschärfen eingeschlichen. Bedauerlicherweise habe ich auch darauf verzichtet, ein Stativ mitzunehmen. Wäre hilfreich gewesen, wenngleich schwierig, so ein sperriges Ding mit in die Zodiacs zu den Landgängen zu nehmen. Aus der Gopro-Fraktion hatte einer ein Einbeinstativ dabei, auch überlegenswert. Überhaupt war die Flexibililtät bei der Auswahl der Objektive etwas eingeschränkt. Es war schwierig, ein zweites Objektiv mitzunehmen. Das hätte einen Rucksack erfordert. Und in einem dicken Parka mit umgelegter Rettungsweste kam ich kaum an die Taschen heran. Ich hätte mich auch nicht immer getraut, bei den teilweise sehr widrigen Wetterbedingungen ein Objektiv zu wechseln. Also musste ich mich vorher entscheiden, mit welchem Objektiv ich arbeiten wollte. Das lässt sich sicherlich alles noch optimieren. Bewährt haben sich aufklappbare Fotofäustlinge und darunter dünne Seidenhandschuh. Die Seidenfingerlinge stören nicht bei der Bedienung der Kamera, halten aber doch einigermaßen die Finger wenn nicht warm, dann doch beweglich. 

Eine Gopro ist sehr sinnvoll - für Unterwasseraufnahmen. Wenn z. B. Pinguine vom Ufer ins Wasser springen oder sich auf dem Rückweg wieder dem Ufer nähern. Oder Unterwasseraufnahmen vom Zodiac aus in der Nähe von Eisbergen. Da sind einigen Mitreisenden sensationelle Aufnahmen gelungen. Man braucht einen sehr stabilen Verlängerungsstab und zur Sicherheit einen Schwimmkörper an der Gopro, falls der Stab sich doch mal verabschiedet. Auch bei gemäßigter Fahrt der Zodiacs ist der Wasserdruck auf der Kamera enorm. Ausrüstungstechnisch waren die mitreisenden chinesischen Kollegen in dieser Hinsicht ganz weit vorne. 

Insgesamt bin ich mit der Fotoausbeute nicht so richtig zufrieden. Die Fotos habe ich lediglich teilbearbeitet über Lightroom, d.h. nachgeschärft, nachbelichtet und geschnitten, soweit erforderlich. Ich muss natürlich auch akzeptieren, dass sich durch die Kompression von etwa 25 MB pro Foto auf 600 bis 700 KB eine Qualitätseinbuße auf der website ergibt. Auch da gibt es sicherlich noch bessere Methoden als die von mir angewandte.

Dennoch, ich habe viel gelernt und eine kritische Nachschau macht deutlich, an welchen Stellen Verbesserungen nötig und möglich sind und wie ich wieder einen Schritt weiter komme. Eines ist mir klar geworden, entweder ich beobachte und erlebe mit allen Sinnen - ergebnisoffen - was um mich herum geschieht oder ich fotografiere. Beides gleichzeitig gelingt mir noch nicht.