Samstag, 17. Januar 2015/22:00

 

Heute war der erste Reisetag. Ich habe um um 10:00 Uhr mein Fahrzeug bei Hertz abgeholt. Ich hätte so gern einen Pick-up gehabt, da kann man so lässig den Arm aus dem Fenster lehnen. Aber es gab keinen mehr. Schade, ich liebe diese Dinger. Stattdessen gibt es einen Nissan, na ja geht auch ganz gut, ist halt nur irgendein Auto. Ein GPS gab es auch nicht. Also, der Mann von Hertz hat mir abgeraten. Kostet 10 US $ am Tag und es sei nur Chile drauf. Und das nur beding für die Gegend, in der ich mich aufhalte. Ist halt ein großes Land, Chile. Der Vorteil hier ist, es gibt nicht soviel Straßen über Land, wo man sich verfahren kann. Ich werde es dennoch schaffen, mich irgendwann zu verfahren. Aber bislang ist festzuhalten, die Ausschilderung ist sehr gut. Überhaupt ist das Fahren hier sehr entspannt. Es wird nicht gerast, man hält sich an das Tempolimit. Man kriecht geradezu an Kreuzungen heran. 

Ich bin jetzt im Nationalpark Torres del Paine im Patagonia Camp. Alles öko. Sehr eindrucksvoll, was ich bis jetzt gesehen habe. Aber jetzt ist erstmal Schluss für heute. Morgen geht es auf eine geführte Tour zu irgendwelchen grandiosen viewpoints. 

Mein größtes logistisches Problem ist im Moment, dass sich mein iPhone ohne jegliches Zutun verabschiedet hat. Bleibt einfach schwarz, ohne dass ich irgend etwas Unanständiges damit gemacht hätte. Einfach so. Keine Reaktion. Ich hoffe, dass sich das Problem wie von Wunderhand über Nacht löst. Ansonsten könnte die Kommunikation mit der alten Welt etwas kompliziert werden. Ist aber auch eine Chance: reisen wie damals in den 80er Jahren.

 

Heute Morgen zeigte sich der Ozean ziemlich sanft. Kann sich sehr schnell ändern.

Noch geht es gut voran
Noch geht es gut voran
Die Piste! Sieht gut aus
Die Piste! Sieht gut aus
Noch ist er sauber und mit allen Bodenblechen
Noch ist er sauber und mit allen Bodenblechen






Meine "Jurte" im Patagonia Camp unter einem flammenden Himmel

Sonntag, 18. Januar 2015/08:00


Hier im Patagonia Camp ist auch das Internet ziemlich öko, es macht noch immer keinen Sinn, Bilder hochzuladen. Die muss ich nachtragen.

Die recht kleine Anlage besteht aus etwa 16 Jurten, so wie ich es überblicken konnte, direkt oberhalb des Lake del Toro. Kristallklares Gletscherwasser.

Patagonia Camp ist offensichtlich ausgerichtet auf US-amerikanische Gäste. Entsprechend ist auch das Frühstücksbuffet. Aber man wird satt, andere Länder, andere Frühstücksbuffets. Insgesamt ein interessantes Konzept, hier im Nationalpark werden viele touristische Einrichtungen "nachhaltig" betrieben. Bis hin zur Bitte, die hoteleigenen Pflegeprodukte zu verwenden statt der eigenen. Die seien umweltverträglicher. Vorbildlich.

Ich habe mich für 09:00 Uhr für eine "Excursion" eingeschrieben. Ich hoffe, dann die bekannten "Zinnen" komplett zu sehen zu bekommen. Von hier sehe ich nur die Spitzen.

Das iPhone Problem hat sich erledigt, nicht durch wundersame Hand, sondern durch meine. Aber auch wundersam, ich habe alle verfügbaren Knöpfe so lange zusammen gedrückt gehalten, bis auf einmal der Apfel wieder aufgetaucht ist. Geht doch. Andererseits, ich hätte ja noch mein altes Ersatzhandy dabei: SonyEricsson. Telefonieren geht und sogar SMS verschicken. 

Die Tour startete heute pünktlich um 09:00, wie übrigens alles wirklich extrem gut organisiert ist. Zwei Ehepaare sehr gesetzten Alters aus England und Schottland waren noch dabei. Herrlich, dieser englische Humor. Dazu der unaufdringliche Tourguide, der dankenswerterweise nicht der Meinung war, einen Erziehungsauftrag zu haben. Und ein Fahrer, der zwar jedes Schlagloch auf der Piste zu kennen schien, dem einen oder anderem aber einen Besuch abstatten musste. Erstaunlich, was Autos heutzutage aushalten.

Auf dem Programm standen zwei Trekkings. Das erste am Lago Grey, der vom Grey Gletscher gespeist wird, deshalb wohl Lago Grey und weil das Wasser halt grau ist. Man läuft über einen spektakulären Kiesstrand. Aber zum Sonnenbaden ist der Wind zu kalt. Überhaupt zum Wetter: sensationell gut. Sonnenschein, wolkenloser Himmel, wirklich himmelblau. Vor zwei Tagen hat es hier noch aus Kübeln geschüttet. Aber der Wind ist schon kalt. Ich bin extrem gut gegen Kälte ausgerüstet. Aber wind stopper sind nicht so recht dabei.  Der Aussichtspunkt auf den Gletscher war schnell erreicht, eine knappe Stunde Fussweg.

Am Ausgangspunkt unserer Tour unter riesigen Bäumen gab es dann Lunch. Respekt muss ich sagen. Tischdecken, Gläser, Besteck sogar Handwaschdesinfektionscreme. Die am Vorabend individuell bestellten Sandwiches gab es plus Vorspeise, Rotwein, Weißwein, Bier, natürlich Wasser, Brownies und Kaffee. Frisch aufgebrüht. 

Wir waren sehr zurückhaltend beim Wein, aber eineinhalb Gläser wurden dann doch getrunken. Wir haben es beim Aufstieg zum zweiten Aussichtspunkt zu spüren bekommen. Der Mirador Condór ist zwar nur gut 250 Meter höher aber entsprechend steil. Eine gewisse Kurzatmigkeit hat uns schon zu schaffen gemacht. Der Ausblick natürlich wieder sensationell auf den Lago Pehoé und die angeblich erste Hosteria im Park, die Hosteria Pehoé. Und im Hintetgrund die Cerros: Cerro Paine Grande, Punta Bariloche, Cerro Castillo und viele mehr. Vergleich mit unseren Alpen: nicht zu  vergleichen. Sehr eindrucksvoll hier, zerklüftet wie auseinandergesprengt, schroff, dunkel aber nicht flächig so ausladend wie unsere Alpen. Zumindest was ich hier im Sichtfeld habe. Dass Chile und Argentinien mit ihren Gebirgsketten in einer anderen Liga spielen ist schon klar. Und die Vielzahl der teilweise riesigen Seen mit gänzlich unterschiedlichen Wasserfarben ist schon sehr einzigartig.

Der Abstieg durch Felder verkohlter Bäume - Opfer eines riesigen Waldbrandes vor einigen Jahren - war ebenso gespenstisch wie anstrengend, weil wir Gegenwind hatten. Locker ein Siebener, in Böen Achter. Da ist das, was ich aus Ostfriesland kenne, Kindergeburtstag dagegen. Fotografieren unter einer 1000/sek machte gar keinen Sinn. Derart ruckelte der Wind an Körper und Objektiv. Herrlich, wenn er ein paar Grad wärmer wäre.

Auf der Rückfahrt hätte man gerne mal ein kurzes Nickerchen gemacht, aber wie gesagt, der Fahrer wollte dann doch wohl noch ein paar Schlaglöcher kennenlernen. 

Es war ein schöner Tag. Sinnvoll, eine solche Tour zu machen, erspart viel Sucherei in Reiseführern oder sonst wo. 


Montag, 19. Januar 2015

 

Heute mach ich mich allein auf, um den Nationalpark zu erkunden. Ich werde nur einen Teil zu Gesicht bekommen, das ist schon klar, aber es sind so ein paar Stellen, die ich mir ansehen möchte. Von Chris, unserem gestrigen Tourguide habe ich eine übriggebliebene Eintrittskarte für den Nationalpark bekommen. Immerhin US$ 27 gespart. Sehr freundlich von ihm.

Der erste Anlaufpunkt ist die Weber-Brücke, von der man einen tollen Ausblick auf die Torres Cerro Paine Grande und Cerro del Paine haben soll. Stimmt. 


Ansonsten viele Berge, viele Seen, viel Wald, verbrannt und frisch nachgewachsen, und ein blauer Himmel wie ein Himmel nur blau sein kann.





Hosteria Pehoé, das erste Hotel im Nationalpark Torres del Pain

Und das sagenhafte "Explora", das erste Luxushotel im Park



Dienstag, 20. Januar 2015

 

Nach drei Nächten in der Jurte und zwei Tagen im Nationalpark Torres del Paine geht es heute Morgen nach El Calafate in Argentinien. Torres del Paine ist natürlich beeindruckend und nach jeder Biegung der Schotterpiste und hinter jeder Bergkuppe ergießt sich wieder ein atemberaubender Blick auf irgend etwas Prachtvolles: ein Yves Klein blauer See, ein smaragdgrüner Flußlauf, eine dezent  blühende Almwiese (o.k., die Kühe fehlen), ein wie von Künstlerhand silber patinierter Baumstumpfwald, eine nächste Hügel- oder Bergkette, grau, braun, schwarz, violett, rot oder einfach nur steinfarben. Wie beeindruckend es auch ist, das Auge steht ständig unter Stress. Wie entspannend für die Augenmuskulatur ist doch die argentinische Steppe. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, so etwa 80 km Schotterpiste, und dazwischen liegt die chilenisch-argentinische Grenzstation bei Cerro Castillo.    



Hier an dieser schmucklosen Grenzstation lernt der Mensch wieder, was Demut bedeutet. Die beiden Grenzstationen liegen etwa sechs, sieben Kilometer auseinander. Schotterpiste von der üblen Art. Bei der chilenischen Grenzstation sieht es von einiger Entfernung ganz gut aus, bis ich erkenne, dass die Menschenmassen nicht einfach nur so vor dem Grenzgebäude herumstehen, sondern sich ordentlich, aber in einer sich bis auf den Vorplatz im Kreise drehenden Warteschlange angestellt haben. Samstagmorgens beim Bäcker 8 Leute vor mir, da bin ich geneigt, lieber wieder nach Hause zu fahren und das Wochenende ohne Brötchen bzw. Semmeln zu verbringen, als mich einzureihen, aber hier muss ich wohl durch. Die Sonne scheint, es ist warm, warum nicht mal eine neue Erfahrung machen. Ich stelle mich also in die Reihe junger Backpacker und beginne nach etwa zehn Minuten mich zu wundern, weshalb ich der einzige bin, der kein Gepäck dabei hat. Hier stimmt etwas nicht.  Geb ich jetzt meinen Platz auf – immerhin schon zwei Positionen vorgerückt – und checke mal, was das bedeuten könnte? Ich drängle mich also in den Schalterraum durch und jetzt zahlen sich meine sechs Stunden VHS-Spanischkurs aus: die Schlange trennt sich in „salida“ und „entrada“. Gut, kennt man auch von italienischen Autobahnraststätten. Und da ich „salida“ will, habe ich nur noch etwa zwanzig Menschen vor mir und keine gefühlten achtzig. Dennoch es dauert gut ein halbe Stunde bis ich bei dem Schalter angelangt bin, der „salida“ macht.  Nun muss man dazu wissen, dass ich mit einem Leihauto aus Chile ausreise und mit dem gleichen Leihauto nach Argentinien einreisen möchte. Dazu habe ich etwa zwanzig Seiten Dokumente von der Vermietstation bekommen, die dies alles ermöglichen sollen. Die halte ich auch winkend in der Hand. Also sag ich dem Beamten so etwas wie „ir en coche“, der prüft sehr gewissenhaft meinen Pass, macht eine Kopfbewegung, die ich – wie sich nachher rausstellt -  falsch interpretiere, stempelt meinen Pass und ich schwirr ab. Dreimal tief Luft geholt, war einfacher als ich befürchtet habe. Die etwa sechs Kilometer übelster Schotterpiste sind schnell zurückgelegt und vor der argentinischen Grenzstation ist dann die Warteschlange sagen wir moderat. Zwei Busse und ein halbes Dutzend Einzelfahrer. Wieder zwei Schalter geöffnet aber nix „salida“ und „entrada“. Hier macht jeder Schalter multifunktional. Es geht auch ziemlich flott. Etwa eine dreiviertel Stunde schau und höre ich mir Multikulti an. Viel deutschsprachiges Gewirr um mich herum, hinter mir eine spanisch sprechende schweizer Tourguidin, von der ich erfahre, dass es neuerdings in Tapi Aike eine Tankstelle gibt, was mir etwa hundert Kilometer Umweg erspart. Wirklich nett war, dass sie extra einen Busfahrer fragte, um mir diese Information geben zu können. Nun bin ich an der Reihe, habe ja schon beobachtet, dass die Wartenden und einreisewilligen Autobesitzer die gleichen Papiere in der Hand halten wie ich. Mit nur einem Unterschied: die haben einen Stempel mehr als ich. Also sagt mir mein Einreisebeamter unmissverständlich, und irgendwie ist das sprachlich wohl international, auch wenn ich kein einzelnes Wort verstanden habe, dass ich leider zurück müsse, um mir vom chilenischen Zoll die Ausreise abstempeln zu lassen. Folgende drei Alternativen habe ich blitzschnell im Geiste durchgespielt: hysterisch anfangen zu lachen und mich einfach fallen lassen, ihm eine knallen oder ohne Gruß einfach gehen. Die Lachnummer bringt keinen Stempel, ihm eine knallen höchstwahrscheinlich zwei Monate Bau. Also einfach gehen. Trotzdem hab ich so getan, als würde mir das gar nichts ausmachen. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: chilenischer Zoll nochmal eine Stunde, argentinischer Zoll knapp fünf Minuten länger. Und am Ende des Tages muss ich mir sagen: hättest Dir auch denken können, hättest Dir ja auch mal die Dokumente im Detail anschauen können, hättest ja auch mal ganz konkret fragen können. Ja, ich hätte auch die Debitoren an die Kreditoren buchen können. Hab ich aber nicht. Und trotzdem, es ist alles gut, denn ich habe wieder was gelernt. Außerdem hatte ich keinerlei Zeitdruck, ja, gut, vielleicht hätte man die Zeit besser in einem Café, windgeschützt in der Sonne verbringen können. Aber so gab es ein paar nette Plaudereien, ich habe einem rumänischen Pärchen mit meinen Aus- und Einreiseerfahrungen helfen können und habe von einem chilenischen Busfahrer erfahren, dass Chilenen immer noch von den argentinischen Einreisebeamten nach Möglichkeit schikaniert werden.


Zum Ausgleich für diese Widrigkeit gab es dann bis auf die Schotterpassage zwischen Tapi Aike (mit einer witzigen Tankstelle in the middle of nowhere) und El Cerrito eine wunderbar ausgebaute Straße über sanfte Berghügel und durch die weiteste Steppe, die ich jemals gesehen habe, bis nach El Calafate. Das Auge hatte eine Freude!    




In den Ort hineingefahren, erscheint mir El Calafate auf den ersten Blick ein wenig wie einige Badeorte an der Cote d’Azur, wie Palma de Mallorca, nur ohne Ballermann. Im Ort öffnet sich eine vierspurige Prachtstraße, die durch einen breiten Grünstreifen mit üppiger Bepflanzung geteilt wird. Es reiht sich eine Kneipe an die nächste, Café an Pizzarestaurant, Anbieter von Excursionen  an Outdoorshops, Eisdielen an Grillrestaurants, Folkloreläden an Armbändchenverkaufsständen. Ein Casino darf auch nicht fehlen, sogar Western Union ist vertreten. In den Straßen ist ein Auftrieb wie in München in der Kaufinger Straße zum Winterschlussverkauf. Kurz gesagt, ich bin überrascht. Natürlich ist El Calafate das Zentrum im Nationalpark Los Glaciares. Aber mit dieser Wucht an Urbanität habe ich nicht gerechnet. Auf den zweiten Blick nimmt man natürlich das Mallorca-Bild wieder zurück. Es ist erstaunlich ruhig, nur hin und wieder hört man Musik aus einem der Geschäfte, kein Geplärre wie so häufig andernorts. Der Straßenverkehr schleicht gemächlich dahin, kein Mopedgeknatter. Alles relaxed. Alle wollen US-Dollar gegen argentinische Pesos tauschen. Und man ist sehr markenfokussiert. Also zumindest im Hinblick auf Funktionskleidung, in der die überwiegende Mehrzahl der Leute herumläuft. Trekking, Trekking, Trekking ist das Zauberwort! Ein who-is-who der Outdormarken in den Straßen und den Geschäften. Ich bin übrigens der einzige, der hier in einem trapperähnlichen Holzfällerhemd rumläuft. Völlig daneben, nicht nur weil es fast 30 Grad sind noch am späten Nachmittag. Aber kann man denn wissen, dass Patagonien schon lange im zwanzigsten Jahrhundert angekommen ist? Hier ist doch fast das Ende der Welt.

Übrigens zum Wetter: auf der Fahrt zur Mutter aller Gletscher, dem Perito Moreno habe ich einen Tramper mitgenommen, Italiener und Geologe. Der auch wie ich überwiegend Faserpelze statt T-Shirts dabei hat,  aber auch der bestätigt, dass es deutlich zu warm ist. Ungewöhnlich warm in dieser Region. Das hat mich dann doch ein wenig beruhigt im Hinblick auf meine kleidungsmäßige Reiseplanung.





Mittwoch, 21. Januar 2015

 

Die Fahrt zum Gletscher aller Gletscher ist wunderschön, eine perfekte Straße schlängelt sich durch eine Bilderbuchlandschaft. Auch ein Tribut an die Touristenmassen, die sich hier zum gemeinsamen Fotografieren und Posen verabredet haben. Aber, das sei für alle Touristenhiglights, die noch kommen sollen gesagt, es verläuft sich alles auf wundersame Weise. Der Anzahl der Busse nach zu schließen, war ich auf Basar ähnliches Gedränge eingestellt. Dem war nun überhaupt nicht so, teilweise bin ich auf den „Balkonen“,  die auf einer Länge von einigen Kilometern vor dem Gletscher in verschiedenen Ebenen installiert waren, allein gewandelt. Ich hatte nie ein Problem mit der freien Sicht auf Perito Moreno. Mein Hotelier hatte Recht, eine Fahrt mit dem Boot zur Gletscherwand lohnt nicht. Man sieht nichts, da alle im Inneren sitzen und die Scheiben beschlagen. Soweit sein Kommentar. 



Den Gletscher zu beschreiben ist müßig, zumindest ich kann es nicht. Dieses Gesamtkunstwerk verschließt sich sprachlicher Präzision. Entweder es klingt banal oder überromantisch. Selbst Fotos fangen dieses monströse und doch filigrane Gebilde kaum ein. Zumindest meine nicht. Ein Versuch sei aber erlaubt.

Der Höhepunkt ist natürlich immer ein kolossaler „drop“. Also wenn ein Gletscherstück ins Wasser knallt. Selbst kleine Stücke, vielleicht Waschmaschinengröße, machen ein irrsinniges Getöse. Und dann hebt ein „Aahh“ und „Oohh“ an, es gibt sogar Applaus. Ich habe auch ein paar „drops“ erwischt, aber wie es immer so ist: nach einer halben Stunde vergeblichen Wartens an einer zentralen „Drop-Stelle“ bin ich weiter gezogen. Als ich gerade hinter einer blickdichten Baumreihe ohne Blick zum Gletscher gelaufen bin, hab ich es gehört. Der Gletscher muss ein riesiges Stück gekalbt haben. „AAhhs“ und „OOhhs“! O.k. passiert halt. Keine zehn Schritt weiter, wieder diese „AAhhs“ und „Oohhs“. Und ein erdbebenähnliches Gedonner. O.k. passiert halt. Und ein drittes Mal gleiches Erlebnis an anderer Stelle. Wann passiert Entscheidendes? Wenn man gerade das Objektiv wechselt.

Zumindest gesehen habe ich diesen Eisklotz wie er ins Wasser geknallt ist. Und dabei ist mir dann auch gleich bewusst geworden, man will die Dinge doch auch live sehen und erleben und nicht nur durchs Objektiv und auf dem Foto. Dann könnte man sich die Reise sparen und einfach ein paar Fotos runterladen und zuhause auf dem Sofa ansehen. Von daher, lieber Perito, hab ich das nicht als Verarschung empfunden.






Den Nachmittag beschließt ein Besuch im Gletschermuseum mit einer sehr informativen Ausstellung zur Entstehung von Gletschern und auch von ihrem Überlebenskampf. Ein optisch extrem beeindruckender Film in 3-D über die Gletscherwelt in Argentinien rundet dann den Abstecher in die Wüste ab, in der das sehr futuristische Museumsgebäude hingestellt wurde. Überhaupt: wir haben hier am späten Nachmittag noch um die 30 Grad C und ein paar Kilometer weiter liegt der Gletscher. Schon ein Extrem.

Auf dem Rückweg hab ich dann noch ein "Wrack" entdeckt. Also nicht so richtig, eher ein an Land liegendes Schiffchen, das so langsam vergammelt.

El Calafate zeigt sich abends wieder von seiner südspanischen Seite, sanftes Licht, lauer Wind, T-Shirt-warm und ein gegrillter Lammrücken auf der Hotelterrasse. Ich bin zufrieden



Donnerstag, 22. Januar 2015

 

Die Fahrt nach El Chaltén ist bequem und kurz. Was der Perito Moreno für El Calafate, ist der Cerro Fitz Roy für El Chaltén. Der Berg der Begierde für Generationen von Bergsteigern. So steil, dass nicht einmal der Schnee auf ihm liegen bleibt. Und die meiste Zeit von Wolken umhüllt, gibt er nur sehr sporadisch sein Antlitz frei. Also, das ist schon eine Nummer, dieser Fitz Roy, wenngleich mir persönlich der Cerro Torre noch besser gefällt. Irgendwie eleganter. El Chaltén ist ein Sammelsurium ausgefallener bis abgehalfteter Häuser und Häuschen, man kann sich nicht entscheiden, ob das Städchen noch immer im Aufbau ist oder schon mehr und mehr aufgegeben wird. Und eine bunte Schar von Backpackern, mir scheint keiner über 25, bevölkert Straßen und Cafés. Von Cafés und "Restaurants" gibt es eine Unmenge. Und alle haben, winzig wie sie mit ihren drei Tischchen teilweise sind, Internet und Wifi. Also meine Herberge, nobel wie sehr daher kommt, kann da nicht mithalten.







Freitag, 23. Januar 2015


Am ersten Tag in El Chaltén werde ich eine Wanderung zu einem Aussichtspunkt an einem kleinen Gletschersee machen, von dem man einen Blick auf den Torre hat. Eigentlich ist es ein Trekking, denn 22 km sind schon ein Wort. Es sind zwar nur etwa 400 Höhenmeter, aber es geht ständig bergauf und bergab. 

Und nach gut fast einer halben Stunde steilem Zustieg zum Pfad motiviert das nachfolgende Schildchen doch sehr. Wobei, das sei erwähnt, der Zustieg nicht mitgezählt ist.





Samstag, 24. Januar 2015

 

Das Wander-Trekking hat dazu geführt, dass meine Oberschenkel mir raten, heute eine gemütliche Schiffstour auf dem Lago del Desierto zu machen. Das sei besser. Und anschließend dem Treiben in El Chaltén's Broadway zuzusehen. Dem habe ich nicht widersprechen können. Die Seefahrt hat auch den Vorteil, dass man - falls er möchte - den Fitzroy zu sehen bekommt. Von der Nordseite.



Nein, er will nicht. Dann halt noch einmal von der anderen Seite.

Good bye El Chaltén.