Die Hinrichtungsstätte ist in direkter Sichtachse zur orthodoxen Kirche Kirche platziert. Zufall oder ein weiteres Indiz für Zynismus und Menschenverachtung der Securitate. Hingerichtet wurde auf der "Bühnenplattform" übrigens nicht durch Erhängen, sondern durch quälendes Erdrosseln der Delinquenten. Die mittelalterliche Burganlage, die wir auf dem Weg von Brasov zur Transfagarasan in Fagaras besucht haben, hat seit Ihrer Errichtung im 13. Jahrhundert eine sehr wechselvolle Historie. Aber die bedrückendste Phase waren sicherlich die zwölf Jahre, die sie nach dem zweiten Weltkrieg als Gefängnis für politische Gefangene genutzt wurde. Es mag Einbildung sein, aber irgendwie ist in den Räumen und Mauern noch diese bedrückende Atmosphäre zu spüren, die mich überkommt, wenn ich über das traurige Schicksal der Inhaftierten lese. Meiner Meinung nach wird hier mit sehr viel Mut Vergangenheitsbewältigung versucht. 

Heute beherbergt die Burg neben den Gefängnistrakt ein Museum, das über die Geschichte und Kunst der Umgebung informiert.



Die Transfagarasan oder Transfogarascher Hochstraße verbindet als ca. 90 Kilometer lange Gebirgsstraße die Walachei mit dem Olt-Tal in Siebenbürden. Baubeginn war im März 1970 und Fertigstellung im September 1974. Angeblich war der Grund den alten Forstweg auszubauen ein militärischer. Die neue Straße sollte schnelle Truppenbewegungen ermöglichen. Auch erhoffte man sich einen touristischen Nutzen. Ein wesentlicher Grund wird aber wohl gewesen sein, dass der Herr Ceausescu auf dem 2.042 m hoch gelegenen Pass direkt am Ufer des Balea Lac seine pompöse Jagdhütte errichtet hat. So war der Zugang komfortabler. Vor allem aber auch leichter zu kontrollieren und gegebenenfalls zu sperren. Vorne und hinten dicht machen und keiner kommt mehr rauf. Heute wird die Jagdhütte als Hotel betrieben. 

Die Hochstraße ist gleichsam beliebt bei Motorradfahrern und Mountainbikern. Für die Rennradfraktion mag der Straßenzustand streckenweise vielleicht etwas zu "holprig" sein. Das ist im Wesentlichen die Klientel für die beiden Hotels auf der Passhöhe.



Balea See ist die Passhöhe des Transfagarasan. Wir haben uns im Hotel Cabana Balea Lac für drei Nächte eingebucht. Eine alte, ehrwürdige Cabana, keinerlei Luxus aber toll gelegen und es wird eine recht gute Küche geboten. Wir wollten ausgiebig wandern und den oberhalb auf 2.398 m gelegenen Berggrad der Karpaten, den Paltinu bezwingen. Leider hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht, es war so nebelig, dass wir kaum das Hotel finden konnten. Die Passhöhe ist überhaupt nur vier Monate im Jahr zugänglich und die Transfagarasan ist auch bekannt als "Straße in den Wolken". So haben wir dann den Aufenthalt auf zwei Tage verkürzt und haben so einen Tag für Bukarest gewonnen.



Bukarest, das "Paris des Ostens" wie es einmal zu Recht genannt wurde, ist eine sehr interessante und lebendige Stadt. Fast zwei Millionen Einwohner, großzügig angelegt mit vielen Prachtboulevards, Grünanlagen und Seen. Kulturelles, künstlerisches und politisches Zentrum des Landes. 40 Museen, 11 Theater und sogar zwei Puppentheater böten Abwechslung für Wochen. Aber mit dreieinhalb Tagen Zeit sieht man natürlich einen winzigen Ausschnitt. Unser zentral gelegenes Hotel "Epoque Bukarest" hat es uns erlaubt, das Meiste fußläufig zu erreichen und wenn es mal etwas weiter war, haben wir ein Taxi genommen. Konkurrenzlos billig und gleichzeitig einen Nervenkitzel vermittelnd aufgrund des Fahrstils der Piloten. Aber irgendwie geht das wohl immer gut. Interessant war, dass alle Taxifahrer sehr gesprächig waren, mit entsprechender Auswirkung auf den Fahrstil natürlich. Und alle waren stolz auf ihre Stadt und wie schnell und schön sie sich entwickeln würde. Dem kann ich nur zustimmen. Überhaupt, es ist eine sehr entspannte Atmosphäre in der Stadt, freundliche, aufgeschlossene Menschen, sehr international und bunt.



Viele Fassaden warten noch auf ihre Sanierung. Es würde schneller gehen, Investoren sind vorhanden, allein es fehlen die Handwerker. Das war die jeweilige Antwort, wenn wir mit Bukarestern über ihre Stadt gesprochen haben. Man bemüht sich darüber hinaus, die Gebäude zu erhalten und nicht abzureißen und neu zu bauen. Was in vielen Fällen wahrscheinlich die wirtschaftlich sinnvollere Lösung wäre. Es ist sehr begrüßenswert, das Stadtbild mit den wunderschönen Fassaden zu erhalten, wenngleich sich Neu und Alt überwiegend sehr gediegen zueinander fügt. Begrüßenswert ist diese Haltung auch deshalb, weil Bukarest mit dem Abriss von Gebäuden reichlich Erfahrung hat. Herr Ceausescu hat ganze historische Stadtviertel niederreissen lassen, um sie mit Wohnblocks in seinem geliebten Zuckerbäckerstil zuzupflastern. 



Eine Hauptattraktion in Bukarest ist natürlich das von Ceausescu in seinem Größenwahn errichtete Haus des Parlaments. Es ist nach dem Pentagon das zweitgrößte Gebäude der Welt. Unfassbar und auch gar nicht beschreibbar diese Verschwendung. Und nur weil dieser kleine Mann Ceausescu den monströsen Palast des Volkes in Nordkorea übertrumpfen wollte. Eigentlich sollte der Bau nach dem Sturz des Diktators abgerissen werden, nachdem er jahrelang dem Verfall preisgegeben war. Man hat sich dann aber doch aus Respekt vor den Arbeitern, die dieses Bauwerk erschaffen haben und vor allem aus Respekt vor den hunderten von Toten, die dieser Bau gefordert hat, entschlossen, eine sinnvolle Verwendung zu suchen.

 


Wenn das Wetter passt und man so etwas mag, dann ist ein Besuch im Dorfmuseum Muzeul Satului sicherlich nicht das Verkehrteste. Über 300 Originalbauten von Bauernkaten, Scheunen, Ställen, Gasthäusern, Windmühlen und Kirchen eben einen Eindruck vom Leben in den letzten Jahrhunderten. Der sich anschließende Park mit Büsten der Gründerväter der Europäischen Union erstaunt, ebenso das sich daran anschließende Gehege mit prachtvollen Pfauen. Wie passt das zusammen? Gott sei Dank, die Gedanken sind frei .......



Auch ein sehr ansprechendes und im Innern sehr beeindruckendes Gebäude ist das Athenäum, in dem das philharmonische Orchester Bukarest untergebracht ist. 

Die Führungen sind sehr unkompliziert und individuell. Man geht zum Hintereingang und bekundet Interesse und gegen eine Spende von ein paar Ron nimmt sich jemand der Anwesenden Zeit. Am Abend unseres Besuches sollte ein Konzert stattfinden, unter anderem stand von Maurice Ravel der "Bolero" auf dem Spielplan. Ich bin kein Experte, aber der "Bolero" gefällt mir. Ich habe sogar noch eine "Schallplatte" mit dem Titel zuhause. Vor gefühlten hundert Jahren gekauft. Das Konzert, tja, leider ausverkauft. Konzerte seien immer ausverkauft. Enttäuschte Blicke, hätte man doch zumindest für diesen Zweck das weiße Oberhemd endlich tragen dürfen. Aber wie es in postkommunistischen Ländern nach wie vor so üblich ist, gibt es immer eine Lösung, um den wahren Kunst- und Kulturfreund zufrieden zu stellen. So könne man gegen eine weitere Spende sicherlich noch ein paar freie Plätze auftreiben. So haben wir es dann gemacht und einen erfrischenden Konzertabend genossen. Mit weißem Oberhemd.



Kunstmuseen, Galerien, Ausstellungsräume, Kunstprojekte und Performances, man könnte Tage damit verbringen, sich auch nur einen groben Überblick zu verschaffen. Ein paar haben wir geschafft, aber in der Regel war das Fotografieren verboten oder teuer oder schlichtweg uninteressant. Nur diese Blechgeschöpfe standen geduldig Model.



Der Cismigiu-Park ist eine Oase in der Hektik der Großstadt. Er ist übrigens nach Plänen des deutschen Gartenbaumeisters Carl R. Mayer angelegt worden. Der Park ist Treffpunkt für Jung und Alt und bietet auch eine geschützte Ecke für Spieler und Männer, die von ihrer glorreichen Vergangenheit träumen. So wie das Triumvirat im ersten Foto. Ehemalige Boxer, Olympiateilnehmer sogar. Da waren wir froh, dass wir Ihre Frage, ob wir Engländer seien, verneinen und uns als Deutsche outen konnten. Da war die Freude groß, Deutsche mag man. Das haben wir sehr genossen.