Von Bukarest ging es nun heimwärts über Bad Hercules und dem Dörfchen Petnic, wo ein Verwandtenbesuch stattfinden sollte. Eine Zwischenübernachtung haben wir in Targu Jiu eingelegt, weil wir uns die Donau und das Eiserne Tor, das als Gemeinschaftsprojekt von Rumänien und Serbien betriebene Wasserkraftwerk ansehen wollten. Targu Jiu hat aber einen derart traurigen Eindruck gemacht, insbesondere weil es auch geregnet hat, dass es nun gar keinen Sinn machte, auch nur ein interessantes Foto zu machen. Deshalb ging es am nächsten Morgen gleich weiter an die Donau bis hinter Orsova, wo die Donau eine seeähnliche Ausbuchtung macht.

Am Eisernen Tor - fotografieren verboten. Sicherheitsbereich.

 


Ein Stopp in Bad Hercules oder Baile Herculane macht eigentlich nur dann Sinn, wenn man Rückenbeschwerden oder Rheuma hat oder aber an dem Gegensatz von verfallenem Charme alter Bäderkultur und Hotelklötzen kommunistischer Prägung. Bad Hercules muss einmal sehr prächtig gewesen sein. Heute ist ein Großteil des Kurbades in einem bedauernswerten Zustand. Einzelne, ganz wenige alte Gebäude sind bzw. werden gerade saniert. Und dabei handelt es sich um Kernsanierungen, nicht mal eben die Fassade streichen. Die Investoren haben Mut. Das muss man schon sagen. Sicherlich kommen nach wie vor Kurgäste, aber das ist von den vergangenen Zeiten weit entfernt. Und ein Großteil der Hotelklötze, die für Ceausescus Apparatschicks erbaut wurden stehen leer. Zukunft? Man hofft, ist aber ungewiss.

 


Auf dem Weg von Bad Hercules nach Petnic kann man einen kleinen Umweg machen und die Bigar-Wasserfälle besuchen. Das Wasser fließt gespeist durch einen der größten Karstsprudel in Banat über einen Teppich aus Moos in das Flussbett. Nur acht Meter hoch, aber sehr beeindruckend.



Petnic ist ein typisches kleines Dorf im Banat. Man wird sich nicht dahin verlieren, wenn es keinen konkreten Grund gibt. Typisch, weil es zum einen ein "sterbendes" Dorf ist. Überwiegend leben hier die Alten. Nur in den Sommerferien sind junge Leute hier, Schülerinnen und Schüler, die traditionell ein Teil der Ferien bei den Großeltern verbringen. Das war schon immer so. Wer kann, verlässt das Dorf und sucht sein Glück in Timisoara oder andernorts. Typisch andererseits, weil es hier noch die dem Banat eigenen Hausfassaden mit kleinen, bunten Kacheln gibt.

Und schön zu sehen, dass vor dem Gemeindehaus die Europaflagge weht.



Nach dem Verwandtenbesuch beim "Herrn Doktor", dem Tierarzt des Dorfes - die ältere Dame auf dem letzten Foto grüßte respektvoll "guten Tag der Herr Doktor", auf rumänisch natürlich -  nach herrlicher Wildschweinwurst und Wildschweinkotellets, selbstgeschlachtet, ging es zurück ins morbide Bad Hercules. Noch einmal durch die zerfallene Pracht des letzten Jahrhunderts schlendern, vielleicht einen Blick ins Foyer eines dieser Hotelklötze werfen können und am nächsten Tag wieder zurück nach Timisoara. Vorher Wein kaufen im Recas, eines der wichtigsten Weinanbaugebiete Rumäniens und vor der Rückreise nach Deutschland nochmal auf den Gemüsemarkt gehen. Tomaten, die richtig nach Tomaten schmecken und Gemüse mitnehmen, das wir zwar dem Namen nach auch bei uns kaufen können, das aber in Farbe, Form und Geschmack hier eine ganz andere Liga ist. Schön, dass sich Rumänien bislang von diesem europäischen Einheitsgestrüpp emanzipiert hat.