Auf unserem Weg zum Camp erspähten unsere Ranger in einiger Entfernung zwei Afrikanische Wildhunde, die in schnellem Tempo über die Savanne rannten. Offensichtlich zu ihrem Rudel. In sicherer Entfernung, um den Tieren nicht das Gefühl zu geben, wir würden sie verfolgen oder jagen, fuhren wir schräg zur Laufrichtung zu einer Buschgruppe und einer Pistenkreuzung. Und hier konnten wir dann in direkter Nähe ein sehr aufregendes Spektakel verfolgen. Die beiden Wildhunde kamen offensichtlich von einem gerissenen Beutetier zurück, um die Jungtiere im Rudel zu füttern. Sie würgten Fleischstücke heraus, auf das die jungen Wildhunde sich stürzten, es sich wieder gegenseitig aus den Mäulern rissen. Es war eine wahnsinnige Hektik. Weitere Wildhunde kehrten zurück und brachten quasi "vorverdautes" Fressen mit. Was wie aggressives Kabbeln aussah, ist wohl übliches Futter-Ritual. Aggressivität untereinander ist den Wildhunden grundsätzlich fremd. Es sind sehr sozialverträgliche Tiere, die in Rudeln von zehn bis maximal zwanzig Tieren leben. In der Regel pflanzt sich nur das Alpha-Paar im Rudel fort. Einerseits gibt es dieses Alpha-Pärchen, andererseits sind Kämpfe um die Rangordnung nicht bekannt. Aggressionen zwischen den Tieren gibt es kaum. Die Jungtiere werden vom gesamten Rudel großgezogen und auch geschützt. Das ist schon ein außergewöhnliches Gruppenleben. Auch die Tatsache, dass kranke oder verletzte Tiere vom Rudel versorgt werden. Zumindest soweit sie in der Lage sind, dem nomadenartigen Herumziehen des Rudels folgen zu können. Afrikanische Wildhunde sind als stark gefährdet eingestuft.


Auf den ausgedehnten Pirschfahrten an den nächsten Tagen trafen wir immer wieder auf größere Gruppen von Elefanten. In der Tat, in diesem Gebiet gab es sehr viele von ihnen. Es beeindruckt mich immer wieder, diese großen Tiere beieinander stehen zu sehen, einträchtig mehrere Generationen gemeinsam an einem Wasserloch, unter einem Baum oder sie durchs Gelände ziehen zu sehen. Sie strahlen für mich so eine gelassene Ruhe aus, wenngleich der eine oder andere von ihnen uns klar zu verstehen gegeben hat, dass wir ihm auf die Nerven gehen. 


Savuti Game Reserve - wir erinnern uns: viele Elefanten und das Rudel der Killer-Löwen. Wenn es geschieht, was hier des öfteren geschieht, würde ich die Kamera draufhalten und voyeuristisch Fotos machen? Würde ich die Augen schließen, mich abwenden und hoffen, dass es bald vorüber ist? Ich weiß es noch nicht. Einen Vorgeschmack, wie es endet, bekamen wir als wir am nächsten Morgen recht früh das Camp verließen, um uns auf den Weg in den Chobe National Park zu machen. Wir waren das eine oder andere Mal schon daran vorbeigefahren, aber jetzt wollte ich es wirklich mal aus der Nähe begutachten.  


Ob die Tiere ganz einfach an Altersschwäche gestorben waren oder aber gerissen wurden, weiß man nicht genau. Nehmen wir mal an, sie sind da friedlich eingeschlafen. Das beruhigt das Gemüt des Tierfreundes.

Ist natürlich Quatsch, dort, direkt neben der Piste schläft kein Elefant friedlich ein. Und überhaupt, Elefantenfriedhof? Man vermutete ja lange Zeit, alle Elefanten würden zum Sterben an einen bestimmten Platz ziehen, den Elefantenfriedhof halt. Tatsächlich fand man an Flussläufen und am Rand von Wasserstellen vermehrt Skelette alter Elefanten. Der Hintergrund scheint eher der zu sein, dass Elefanten im Laufe eines langen Lebens ihre Zähne soweit abnutzen, dass sie nur noch weicheres Gras zu sich nehmen können. Und das wächst in der Nähe von Flussufern und Wasserlöchern. 

 

Nachdem wir eine Weile gefahren waren, hörten wir den Funkspruch eines anderen Rangers, den wir natürlich nicht verstanden haben. Dann erhielt unser Fahrer einen weiteren Funkspruch aus unserem zweiten Fahrzeug, dem wir folgten. Auch den verstanden wir natürlich nicht. Beide Fahrzeuge beschleunigten aber spontan und wir hatten Mühe, uns und unsere Ausrüstung zu sichern, so sehr sprang der Landrover über die Piste. Was war geschehen? Der Ranger meldete einen Vorfall bei einer Gruppe Elefanten an einem Wasserloch, das wir am Vortag schon besucht hatten. Was genau, könne er noch nicht sagen. 

War jetzt tatsächlich geschehen, was wir eigentlich gar nicht sehen wollten?

Mit sehr gemischten Gefühlen warteten wir ab, was auf uns zukommen mochte.