Bordleben 2

 

Das Leben an Bord folgt klaren Routinen. Wache gehen, Wettermeldungen absetzen, Kartenarbeit, Logbuch. Auf der Brücke ist alles auf den Vier-Stunden-Rhythmus eingestellt. Die Mannschaft an Deck: Rost klopfen, Streichen, Salzkrusten abspülen, Fenster putzen, Sonderaufgaben. Unten in der Maschine ist es ähnlich, es gibt ein dickes Service-Manual, das permanent abzuarbeiten ist. Nur hin und wieder wird diese Bordroutine unterbrochen. Wenn etwas Besonderes anliegt, etwas Wichtiges, etwas, das nicht jeden Tag vorkommt. Und das können sein:

-  Übungen

-  Reparaturen

-  Feiern

Spannende und lehrreiche Vorgänge konnte ich da miterleben.

Es ist auf Handelsschiffen vorgeschrieben, regelmäßig bestimmte Übungen abzuhalten. Diese werden dann dokumentiert durch Fotos und Eintrag ins Logbuch und so eine Art Safety Register.

Die Übung 1 war Feuer im Maschinenraum und Evakuierung des Schiffes.

Eine dramatische Vorstellung. Die Übung beginnt mit dem Versammeln aller Besatzungsmitglieder auf der "Muster Station". Ein Besatzungsmitglied wurde dann in einen feuerabweisenden Asbestanzug verpackt. Hat ziemlich lange gedauert, bis er fertig montiert mit Feuerlöscher in der Hand vor dem Niedergang stand. So ganz ernst haben die Jungs das auch wohl nicht genommen, obwohl sich mehrere freiwillig für die Löschaktion gemeldet hatten. Aber im Ernstfall mag es wohl schneller gehen. Nachdem das Feuer wohl offensichtlich nicht gelöscht werden konnte, stand die Evakuierung des Schiffes mittels Rettungsboot auf dem Plan. 19 Menschen in dieser kleinen Sardinenbüchse, vom Achterdeck ins Wasser katapultiert und das bei Windstärke 12 stell ich mir schon sehr abenteuerlich vor. Ich halte mich zwar für sehr seefest, aber da würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen wollen. Auf jeden Fall hatten alle Spaß, ins Rettungsboot zu klettern. Beim Anblick des Chief Elektrikers (brauner Overall) hatte ich mir allerdings gefragt, ob die recht filigranen Stuhllehnen dem Gewicht beim Aufprall auf das Wasser wohl gewachsen wären. In weißer Montur ist übrigens der Erste Offizier. Instruiert wurde die Besatzung bei dieser Gelegenheit auch über die Funktionsweise der Rettungsinseln und des Bergekranes.

Der zweiten Übung einige Tage später lag folgendes Szenario zugrunde: Ausfall der Ruderanlage. Von der Brücke aus konnte die Ruderstellung nicht mehr beeinflusst werden. Also musste der Ruderquadrant direkt unten im Maschinenraum manuell bedient werden anhand von Funkkommandos von der Brücke. Das ist sehr interessiert von der Mannschaft verfolgt worden und jeder durfte mal kurz ran.

Auf einem so großen Schiff ist immer etwas zu reparieren, auszubessern oder zu ersetzen. Eine Reparaturaktion konnte ich live miterleben. Offensichtlich war ein elektronisches Gerät ausgefallen, das für die präzise Kompassanzeige notwendig ist. Nach der Fehlersuche im Schaltschrank wurde klar, der Übeltäter sitzt oben im Masttop. Und nun zeigte der Chief Elektriker athletische Klasse, die ich ihm gar nicht zugetraut hatte. Interessant waren auch die Manöverkreise, die wir fahren mussten, um die Richtungsanzeige zu kalibrieren. Schöne Zeichnungen im Fahrwasser.

Der dritte Grund von der Bordroutine abzuweichen ist das "gesellige Beisammensein" der Mannschaft. Damit keine Legenden geschaffen werden, neben der sehr gesitteten Silvesterfeier war diese die einzige Feierlichkeit, die auf der gesamten Reise inszeniert wurde. Es war eigentlich die Neujahrsfeier, die aber aufgrund des schlechten Wetters verschoben werden musste. Im Dezember grillen in der Biskaya ist ja auch nicht jedermanns Sache. Und als ich eines schönen Morgens aufs Deck schaute, waren die Vorbereitungen schon in vollem Gange, begleitet mit großer Vorfreude.

Nach stundenlangem Grillen der armen Sau wurde auf dem Achterdeck die Tafel hergerichtet. Und noch ein Grill mit Fleisch und Wurst war angefeuert worden. Es mangelte an nichts. Sogar die Eistorte zum Dessert war da.Die Freiwache war vollzählig angetreten, und nach und nach wurden zwischendurch auch die Kameraden zum Essenfassen abgelöst, die irgendwo Dienst hatten. 

 

 

 

Der Koch is(s)t für sich allein.

 

 

 

 

 

 

 

Der Chief Elektriker tischt sich fröhlich ordentlich auf .......

 

 

 

 

 

 

 

........ und der Käpt'n scheint zu denken: lass es bald vorüber sein!

 

 

 

 

 

 

Tolle Kombination mit dem Dessert.


 

Zwischendurch wurde mal der Fernseher mit Musikvideos angestellt. Ich dachte schon, die Auswahl wäre zu meinen Ehren getroffen worden. Aber nein: die Filipinos sind wahre Fans von diesen beiden Typen. 

 

Und so ging dann eine launige Party zu Ende. Es hat wirklich Spaß gemacht.